Feuriger Edwin, feine Sylva in Dresden

Semperoper Dresden                                                                                              Dezember 2014

Mit einer konzertanten Aufführung von Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ versuchte die Dresdner Oper das Publikum zu verwöhnen. Natürlich hat man gewisse Erwartungen, wenn auf der Besetzungsliste Namen wie Anna Netrebko und Juan Diego Flórez zu finden sind. Sie beide gaben ihr (deutschsprachiges) Rollendebüt. Netrebko als Sylva Varescu, Flórez als Edwin. Operette gesungen von zwei Opern-Stars? Wie man sagen könnte, eine „Luxusbesetzung“. Aber damit ist es nicht getan.

Die Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann gestaltete die Ouvertüre sehr opernhaft, mit viel Schmelz, sehr flott und als außergewöhnliches Hörerlebnis. Motive einfach abzuarbeiten, ist Thielemanns Sache nicht. Er kostet gemeinsam mit „seinen“ Musikern die Töne aus, versucht die Nuancen feiner Emotionen herauszuarbeiten.

Nun, Anna Netrebko betritt die Bühne im rosa Pelz, rosa Kleid, rosa Ring. Alles fein abgestimmt, aber für eine Sylva wirkt sie zu steif, zu fein, soll sie doch eine „aus dem Varieté“ mimen. Sie verteilt Luftküsschen. Die Herausforderung einer konzertanten Aufführung: Die Sänger und Sängerinnen müssen darstellerisch zu einem Gutteil wettmachen, was an Bühnenbild und Ausstattung nicht vorhanden ist. Alles Augenmerk ist auf sie gerichtet. Bei „Heia, heia in den Bergen ist mein Heimatland“, einer respektabel schweren Arie, lässt sich „die“ Netrebko natürlich stimmlich nichts nachsagen. Der Passage „O la la, so bin ich gebaut“ verpasst sie eine etwas überzogene Tanzeinlage und den Spitzenton am Ende kostet sie voll aus. Sie hat viel vokale Kraft, sie ist eine Traviata, eine Leonora, eine Manon. Aber keine Sylva Varescu.

Ihr männlicher Partner Juan Diego Flórez hat eine Stimme, die sich allen Gegebenheiten anpasst. Die fließende, monströse Tenorstimme entfaltet an mehreren Stellen ihre volle Wirkung. Ein Edwin Ronald wird aber aus ihm im Leben nicht. Der Peruaner ist mehr bemüht, sein Temperament im Zaum zu halten, während die Rolle des Edwin Ronald Karl Maria von und zu Lippert-Weylersheim ja mehr in Richtung „honorige Schlaftablette“ anzusiedeln ist. Er singt berührend „Heut´Nacht hab´ich geträumt von Dir“. Man glaubt es ihm. Aber die Rolle ist ihm im Gesamten (leider) nicht auf den Leib geschneidert. Sein Deutsch ist gut. Er bemüht sich sehr zu phrasieren.

Netrebkos Deutsch mischt sich ein wenig mit Englisch. Man verzeiht, das ist nicht problematisch. Beide sind allerdings sehr bemüht, nur hat man nicht immer das Gefühl, dass sie verstehen, was sie singen. Sie geben ein sehr hübsches Bühnenpaar ab.

Natürlich ist die stimmliche Qualität, die beide mitbringen, nahezu ein Garant für ein insgesamt gelungenes Konzert. Darstellerisch können die beiden nicht allen Wünschen nachkommen. Das Publikum ließ sich zu tosendem Applaus hinreißen.

-MK-

 

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