Ein Blick auf Wolfgang Rihms Oper „Die Eroberung von Mexico“ – neu bei den Salzburger Festspielen

Wolfgang Rihm hat die moderne Oper „Die Eroberung von Mexico“ erschaffen. Nun verhält es sich so, dass die meisten populären Opern von Komponisten wie Puccini oder Verdi geschrieben worden sind. Diese haben aber um 1820, 1850 herum gelebt. Rihm ist 1952 geboren, und hat demzufolge einen ganz anderen, interessanten Zugang zu den großen Werken des Musiktheaters. Werfen wir einen Blick auf die Neuinszenierung der Salzburger Festspiele im Jahr 2015. Am 26. Juli wird sie erstmals aufgeführt, und zwar in der Felsenreitschule, die das ideale Ambiente für dieses Werk bietet.

1991 hat Rihm dieses Werk vollendet. Dieser Titel! Was mag mit dieser „Eroberung“ gemeint sein? Ein großer Feldzug, Soldaten, die einmarschieren in Mexico, ein kriegerisches Erringen? Nein, das nicht. Es dreht sich vielmehr um ein aktuelles Thema: Aufeinandertreffen mit dem Fremden. Als Hauptquelle von Rihm für diese Oper ist das 1932 aufgeführte La Conquete de Mexique von Antonin Artaud bekannt. Das Wort und die Sprache, die sind Rihm in dieser Aufführung nicht wichtig. Eine Art Anarchie, wie sie schon Artaud in sein Stück eingebaut hat, herrscht auch hier vor. Wolfgang Rihm hat die Gliederung seines Werkes in vier Teile von Artaud übernommen. Auch ein zweites Werk von Artaud, Le théatre de Seraphin, fand Einzug ins „Mexico“. Dazu gesellen sich noch weitere Gedichte und – man staune – aztekische Gesangseinlagen.

Die Musik solle die Handlung formen, und nicht nur bloß dazu spielen oder gar dahinplätschern. Die beiden Hauptpersonen sind Montezuma und Cortez, die ganz und gar nicht einer Meinung sind.

Gehen wir weiter zum Komponisten der Oper, Wolfgang Rihm.

Wer ist der Mann? Opernkomponisten sind (leider) selten geworden. Nun, er hat die Vorstellung eines großen Musikblocks, der „in ihm“ sei. Trivial klingt das nicht. Philosophisch betrachtet er diesen: Jedes seiner Werke sei ein Teil dieses Blockes. Rihm wuchs in Karlsruhe auf, und studierte Komposition in seiner Heimatstadt. Er instrumentalisierte einige von Arnold Schönbergs Klavierwerken. Er übernahm später den Lehrstuhl für Komposition in Karlsruhe.

In Donaueschingen fand sein erstes komponiertes Musikwerk Aufführung. Mit dem klingenden Namen Morphonie: Sektor IV.

Seine Schaffensperiode lässt sich in Stilistisch lassen sich grob drei Perioden im Schaffen von Rihm unterscheiden: Seine frühen Stücke sind geprägt von Instrumentalwerken Beethovens, Weberns und Schönbergs. Dem folgt ein knapper Stil, die Klänge werden von Rihm als Zeichen  gedeutet. Er möchte zeigen, wie man Musik anders sehen kann. Ab den 1990er Jahren sind diese beiden gegensätzlich. Rihm sucht bis heute nach einer Synthese.

Die Erstaufführung in der Neuinszenierung der „Eroberung von Mexico“ bei den Salzburger Festspielen wird mit Spannung erwartet.

-Martina Klinger-