SOMMERBühne 7 reloaded: Mein Liebeslied muss (k)ein Walzer sein oder Warum man für eine Kaisersemmel Beziehungen braucht – MUSIKFESTIVAL STEYR

Musikfestival Steyr/Oberösterreich                                                                      15. August

Dernière

Der mehrmalige Besuch einer Inszenierung eröffnet die reizvolle Möglichkeit, einen direkten Premieren-Dernièren-Vergleich zu ziehen. Also dreht sich in diesem Artikel abermals alles um einen berühmtes Hotel und seine Gäste: Nur dass es diesmal nicht am Wolfgangsee, sondern am „Graben“ liegt, am Schlossgraben in Steyr nämlich. Das Musikfestival Steyr unter der Intendanz von Karl-Michael Ebner schloss die Saison mit „Im weißen Rössl“ erfolgreich ab.

Vorweg: Im Vergleich zur Premiere schienen die meisten der Darsteller und -innen (naturgemäß) gelöster, nicht mehr so angespannt. Ein Musterbeispiel an Lockerheit und Unbekümmertheit: Ewald Reiter als Hinzelmann. Ein wenig „überkandidelt“ preußisch wirkte diesmal Andreas Mitschkes Giesecke, hatte es wohl zum Schluss nocheinmal zu gut gemeint. Seine unbeholfenen Schuh-Plattler-Versuche waren aber nach wie vor köstlich anzuschauen. Eine feine Ironie bewies der Wettergott, als er es zu den Klängen von „Wenn es hier mal richtig regnet, ja dann regnet es sich ein“ wahrlich regnen ließ. Da hätte es die Tropfen auf der Video-Wand erst gar nicht gebraucht. Die Pelerinen waren dafür nicht nur im Publikum willkommen, sondern auch auf der Bühne. Aber der Regen konnte niemanden von einer durchaus erleichterten Spielfreude abhalten. Das „Traumpaar“ zur Enttäuschung von Josepha Vogelhuber, Rita Nikodim als Ottilie und Daniel Serafin als Dr. Otto Siedler zeigte sich noch inniger auf dem Balkon, obwohl einen Stock tiefer doch ein bisschen steif getanzt wurde. Singen kann das schöne Pärchen zweifellos, aber das Liebeslied muss nicht unbedingt immer ein Walzer sein. Martina Dorak als die Wirtin blieb ein klein wenig schrill, warf sich ihrem Zahlkellner dann doch mit den Füßen in der Luft an den Hals. Kammersänger Josef Luftensteiner machte seinem Titel an diesem Abend alle Ehre, er hatte die meiste Ausdauer beim Gesang. Der gar nicht amtsmüde Kaiser, Kammersänger Harald Serafin, erklärte Frau Josepha zum wiederholten Male, dass es „einmal im Leben so sei“. Die kaiserliche Buttersemmel, die sie ihm zum Frühstück kredenzt, „bekäme man nur durch Beziehungen“. Sehr lustig und auch auf dem Cover einiger berühmter Modezeitschriften (per Einspielung) zeigte sich Lisa Maria Greslehner als das stark lispelnde Klärchen. Der Sigismund von Michael Havlicek war sichtlich froh, als er seine „heiße“ (im doppelten Wortsinn) Karl-Lagerfeld-Perücke abnehmen durfte. Im Bühnen-Pool fanden er und sein Klärchen schließlich Abkühlung. Wäre vielleicht eine tolle Idee gewesen, zum Abschluss allen Darstellern eine Abkühlung zur Belohnung zu gönnen. Einige Musiknummern, das mag auch an der Fassung „Bar jeder Vernunft“ liegen, ließ man vermissen, etwa „Eine Kuh so wie du“ oder das hübsche Heurigenlied „Erst wann´s aus wird sein“.

Eine nette Anekdote: Das Ensemble gratulierte der „Rösslwirtin“ Martina Dorak zum (realen) Geburtstag mit einem Ständchen, angeführt von „Dr. Siedler“ Daniel Serafin, der ihr ein paar Blumen überreichte.

Ein würdiger Abschluss der heurigen Saison in Steyr also.

-Martina Klinger-

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