Klingers Kulturpavillon: M. Klinger im Gespräch mit Ksch. Prof. Otto SCHENK

Wer schätzt nicht seine Schauspielkunst? Die Rede ist von einem österreichischen Original der Schauspielerei, Regie, Unterhaltung. Kammerschauspieler Professor Otto Schenk, der nicht nur hierzulande mit seinen legendären Inszenierungen (man denke an „Fidelio“, „Der Rosenkavalier“, „Die Fledermaus“) das Opern-Publikum hoch erfreut.

Martina Klinger hat den Doyen des Theaters in der Josefstadt zum Gespräch über Inszenierungen und seine aktuellen Projekte als Schauspieler getroffen.

Hier das Interview – als Video auf YouTube:

MK: Danke, dass Sie sich trotz Ihres stressigen Terminkalenders Zeit genommen haben!

MK: Lassen Sie uns über Inszenierungen sprechen. Wenn Sie etwas inszenieren, wie gehen Sie da (kurz skizziert) an die Sache heran?

OS: Erstens inszeniere ich nicht mehr, ich bin ja schon darüber hinweg, ich fühle mich nicht mehr fähig, meinen immer schwieriger werdenden Geschmack zu befriedigen. Ich bin zu heikel geworden in meinem Alter und misstraue meinem „alten“ Hirn, dass es das zustande bringt, was ich gerne sehen möchte. Da habe ich aufgehört zu inszenieren.

MK: Wie konkret inszenier(t)en Sie?

OS: Ich beginne eine Inszenierung, indem ich mir vorstelle, wo das sein kann, was da stattfindet. Und wie kann man das „Werkel“ schaffen, dass dieses die Illusion vermittelt. Weil: Man muss ja sehr viel von der Wirklichkeit weglassen. Man kann ja zum Beispiel bei Shakespeare überhaupt nicht ausstatten, was er verlangt. Es muss der Fantasie der Spielraum gelassen werden, also muss man ein Podium, eine Spielstätte schaffen, welche einem die Illusion vermitteln kann. Oder: Man muss ein ganz realistisches Bühnenbild bedienen, das einem fast erschreckend die Wirklichkeit „entgegenschmeißt“ auf der Bühne. Das ist eine lange Diskussion oder Verzweiflungs-Vorarbeit mit dem Bühnenbildner. Diesem muss man ununterbrochen die Geschichte erzählen, bis er anspricht, bis er Fantasie entwickelt, etwas zu dieser Geschichte beizutragen.

Dann bin ich meinen Schauspielern ausgeliefert, oder meinen Sängern, ihrer Begabung, ihrer Fantasie, ihrer Persönlichkeit und versuche die mit den Rollen, die sie spielen, in Einklang zu bringen, sodass man glaubt was sie singen, empfinden oder tun. UND: Je mehr man glaubt, desto spannender wird der Abend.

MK: Also, sie ist ein wichtiges Element, die Fantasie und auch der Glaube?

OS: Ja, Fantasie und Glauben machen. Glauben machen, dass das Fantastische tatsächlich ist. Und dieses „fast“ die Wirklichkeit vorgaukeln, oder die Traumwelt vorgaukeln, dass der Zuschauer sich in das versetzt fühlt, was er sieht, ist das Wunder des Theaters. Der Regisseur ist eigentlich nur ein hoffender Zuschauer, ein helfender Schauspieler, ein „Auf-dem-Weg-Verführer“ zur Wahrhaftigkeit.

MK: Eine andere Frage: Sie spielen ja aktuell das Stück „Schon wieder Sonntag“ in den Wiener Kammerspielen. Wie geht es Ihnen dabei? Wie kommen Sie mit der Rolle des Cooper zurecht?

OS: Wunderbar komme ich zurecht, erstaunlich gut, weil es sich grade mit meinem Alter trifft. Ich bin zwar – Gott sei Dank – noch nicht im Altersheim. Aber ich kann mir die vielen Schwierigkeiten des Altwerdens sehr gut vorstellen, bis ins Detail! Ich werde jeden Tag ein bisschen daran gemahnt und ich habe viel verwenden können, in der Rolle, die ich spiele, und zwar bis zum Amüsement der Menschen.

Und ich habe ein junges Mädchen (Anm.: Krankenschwester „Wilson“ alias alternierend Hilde Dalik/ Alma Hasun) als Bühnenpartnerin. Sie ist mir eine wunderbare Hilfe, um meine Sorgen glaubhaft zu machen. Und den Serafin als Kollegen (Anm.: als „Aylott“), der mir ein sehr guter Partner ist.

Dem Publikum die Sorgen des Alters glaubhaft zu machen, und amüsant glaubhaft zu machen, darum geht es.

MK: Und dieses Amüsement versuchen Sie immer wieder zu vermitteln?

OS: Ich versuche nicht das Amüsement zu vermitteln, sondern ich hoffe, dass das, was ich mache, amüsiert. Ich habe nicht die Absicht zu amüsieren. Ich habe die Absicht, glaubhaft zu machen. Und wenn das auf Amüsement stößt, so ist das Sache der Situation, des Stückes oder des Dichters, der Konstellation.

MK: Vielen Dank für das Gespräch!