Film- und Theaterlegende Peter Weck beim Kultursommer Semmering – „War´s das?“ „Das war´s!“

Der legendäre Professor Peter Weck stattete nachmittags dem Zauberberg Semmering, besser dem Südbahnhotel, einen Besuch mit Buch ab. Intendant Florian Krumpöck freute das besonders. Wecks Autobiographie trägt den einfachen wie auch bedeutungsschweren Titel „War´s das?“. Es ist eine Frage. Die Veranstaltung gibt die triviale Antwort: „Ja, das war´s!“ Denn Weck braucht sich nicht mehr großartig aufzuschwingen, wie er das früher getan hat. Er muss keine „Familie mehr heiraten“, keine „Katzen mehr tanzen lassen“ und auch nicht mehr den jugendlichen Liebhaber spielen. Er werde nur ein paar Zeilen aus seinem Buch lesen, verlautbart er. Den Rest erzähle er frei. Warum? Er fände es komisch, über sich selbst vorzulesen.

Riesiger (weiblicher) Andrang bei der lesung, die keine war

Na, bitte! Das Publikum, die Ohren meterweit aufgesperrt, harrt der Dinge, die da kommen mögen. Großer Andrang herrscht, ähnlich wie bei einem Popkonzert, kein freier Platz ist im wunderschönen Waldhofsaal des Südbahnhotels mehr zu finden. Unten im Foyer lächelt einem Peter Weck mit vollem, weißem Haar und lustigen Augen schon ungefähr zwanzig Mal entgegen. Die Rede ist (leider) nicht von ihm persönlich, sondern von seinem ausgestellten, zum Verkauf bereiten Buchcover. Viele zurechtgemachte reifere Damen sitzen in den Reihen, an weiblichen Fans mangelt es dem früheren Mister Musical nicht. Er braucht bei seiner freien Lesung und Erzählung viel Wasser, plaudert so manche frühere Begebenheit aus.

Peter Weck, geboren am 12. August 1930, verbrachte einen Gutteil seiner Jugend im niederösterreichischen Ort Pitten, der früher beliebt zur Sommerfrische der Wiener war. Er erlebte dort das Kriegsende, sein Großvater war der Bürgermeister. Das Kaufhaus Bauer, in dem seine Mutter aushalf, wurde zum Ort seines Schicksals. Seine Eltern verliebten sich dort ineinander. Für eine Dokumentation anlässlich seines 90. Geburtstages, bei der er selbst Regie führte, kehrte er im Jahr 2019 nach Pitten zurück.

Grosser Erfolg als Schauspieler und Regisseur

Wecks Karriere war steil. Aber eigentlich wollte der junge Mann, der Wiener Sängerknabe war, Dirigent werden, was ihm dann doch zu anstrengend war: Fagott, Harfe und Trommel gleichzeitig koordinieren? Nein, dann schon lieber Schauspieler werden. Der Witz liegt im Satz. Er musste sich oft mächtig anstrengen, nicht zuletzt weil er seinem Vater versprach: „Wenn ich nach ein paar Jahren als Schauspieler immer noch in der zweiten oder dritten Reihe stehe, höre ich wieder auf!“ Es kam, wie es kommen musste: Allerorten Engagements, manche schlug er freiwillig aus. Ein vermeintlich homoerotisches Angebot am Anfang seiner Karriere ebenso! Eine seiner Paraderollen in Wien, München und Berlin wurde der Stani in Hugo von Hofmannsthals „Der Schwierige“. Er erzählt natürlich vom umfassenden Filmprojekt mit Romy Schneider, sogar in China im Rahmen eines Drehs vor einigen Jahren habe man ihm noch begeistert: „Sissi!“ zugerufen. Er führte bei unzähligen Filmen Regie und war Theaterdirektor in Wien. Einer seiner letzten Theaterauftritte war „Sonny Boys“ (Neil Simon) in der Komödie im Bayerischen Hof München an der Seite von Friedrich von Thun.

Privater Schicksalsschlag

Peter Weck musste eine dramatische Erfahrung machen: Er verlor seine Frau Ingrid Weck (Muttone) im April 2012 nach fast 45 Ehejahren. Sie starb an einem Herzinfarkt, er war in der gemeinsamen Villa, konnte ihr nicht helfen. Nach der Trauer entschloss er sich auch auf Anraten seiner Kinder Barbara und Philipp, wieder zu arbeiten und zu drehen. 2014 stand er vor der „Tatort“-Kamera und mimte einen Altersheim-Bewohner.

Seit kurzer Zeit darf er wieder ein „angenehmes, wohliges Gefühl“ genießen, wie er selbst sagte. Es gibt wieder eine Frau in seinem Leben. Sie heißt Joanna und ist Kinderpsychologin. Weck wolle aufgrund ihres jüngeren Alters keine Fantasien einer asymmetrischen Beziehung „befeuern“ und hielt sich nobel zurück.

Ein Herr voller Charme und Noblesse

Bubenhafter Charme, gutes Aussehen, stilvoller Auftritt: Diese Attribute machen Weck aus, gegen Ende der freien Erzählung wirkt er selbst ein bisschen abgelenkt und auch angestrengt. Er sucht nach ein paar kleinen Wörtchen. Natürlich, er ist keine vierzig mehr. Anekdoten will er unbedingt noch mit auf den – von sicher zahlreichen Schwärmereien gepflasterten – Heimweg geben. Der Name eines berühmten Sängers entfällt ihm, eifrige Souffleure im Publikum rufen: „Dietrich Fischer-Dieskau!“ Aber der war es wohl nicht. Egal, eine andere Anekdote muss her.

Es gibt für ihn nicht nur seitens seiner „aufgeWeckten“ Fangemeinde begeisterte Standing Ovations, als er sich mit den Worten „Hoffentlich konnte ich Ihre Neugier befriedigen!“ verabschiedet. Das tut er übrigens genauso flott wie auf der Straße: Er ist Maserati-Fahrer.

Peter Wecks Autobiographie „War´s das?“ ist erschienen im Amalthea Verlag, aufgezeichnet gemeinsam mit Susanne F. Wolf. Hier mehr Informationen: >https://amalthea.at/produkt/wars-das-signiert/

Ähnliche Erfahrungen gibt es für das Publikum mit vielen bekannten Künstlerinnen und Künstlern noch bis 5. September.

Kultursommer Semmering:

http://www.kultursommer-semmering.at

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