Grandioses Comeback eines grossen Künstlers: „Rigoletto“ (konzertante Aufführung) beim Festival Erl in Tirol

Der bucklige Narr, der seine Tochter vor Defloration und Seelenschäden durch den gierigen Herzog schützen will, und scheitert. Die Hofgesellschaft, intrigant und verlachend („Cortigiani“). Gebt sie mir zurück, meine geliebte Tochter Gilda, ein unschuldiges, verliebtes Mädchen, das in den höchsten Tönen von „Gualtier Malde“ schwärmt. So ist die Forderung des Rigoletto. Aber dazwischen kommt ja „Maledizione“, also der Fluch, der über allem liegt, und jener ist auch daran beteiligt, dass der Vater am Ende seine Tochter im Leichensack wiederfindet und zusammenbricht. Eigentlich wollte er den widerlichen Herzog umbringen lassen. Eine der Opern, die Verdi zum Star machten.

Der Star dieser Aufführung ist unumstritten. Er ist wieder da, präsent, präzise, konzentriert. Die Stimme: kein Vergleich zu anderen! Nicht notwendig. Er ist es! Ludovic Tézier, französischer Bariton allererster Güte, muss sich nicht verstellen! Er ist Rigoletto. Ohne Buckel, ohne Kostüm, konzertant. Er füllt die Rolle mit Leben. Die Menschen, das Publikum, steht am Ende für ihn auf. Einfach, pur, weil sie spüren, dass es jetzt soweit ist. Keinerlei Anstrengung!

Seine Gilda, die einzige, die ein farbiges Kostüm tragen darf, ist die junge Julia Muzychenko, sehr ästhetisch im Ausdruck, ein wunderbares „Caro nome“, Phrasierung und Liebesleid sind wundervoll. Beim Schlussapplaus küsst Tézier ihr nobel und zurückhaltend die Hand, ein stummer Dank für ihr Dasein, schön anzusehen!

Stark agiert der Widerling, der unersättliche Herzog von Mantua, „La Donna é mobile“, es reicht ihm nicht. Ivan Ayon Rivas ist sehr gut in dieser Position, stimmstark umgarnt er geschmeidig seine weiblichen Opfer, bis sie keinen erotischen Widerstand mehr leisten. Er empfiehlt sich für andere Aufgaben mit dieser klaren Interpretation!

Alexander Köpeczi setzt mit dem Sparafucile als grimmiger Auftragsmörder, allein ihm fehlt die Hütte als Bild, sehr gute Akzente. Die Contessa di Ceprano ist Camilla Lehmeier und sie hat einen kleinen, guten Moment der Erzählung. Ihr Conte: Lukas Lemcke.

Die Maddalena in einer extravaganten Erscheinung, mit einer großen, etwas dunkel timbrierten sehr schönen Stimme wird von Deniz Uzun gesungen.

Chor und Orchester der Festspiele Erl: Ein großes Lob für die musikalische Ausführung, die Freude, sicht- und hörbar. Asher Fisch als Dirigent: Geht mit, kommt mit, hat die Freude im Gesicht! Einfach toll.

Bis in die kleineren Rollen ist diese Oper wunderbar besetzt: Marullo (Jolyon Loy), Borsa (Josip Švagelj) und der Conte di Monterone (Andrew Hamilton) sind Akteure, die mitten im Geschehen bleiben.

Der Jubel: Nicht enden wollend!

Auch ein Messer und ein Leichensack haben in einer konzertanten Aufführung Platz, wie Erl beweist. Die Sterbeszene von Gilda, die Verzweiflung ihres Vaters. An diesem Abend in Erl von einer anderen Dimension. Ohne allzu große Gesten möglich. Aber nur mit den richtigen Menschen. Und die waren hier!

Bitte mehr solche Sternstunden der Oper, das vergisst man nicht! Viele weinten! Auch Verdi hätte es gefreut!

Video (c) Klingers Kulturpavillon

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