Actionreicher „Heiratswechsel“ von Rossini als Spaß mit tollen Stimmen in Kirchstetten 2026

Das Schloss Kirchstetten bietet die Bühne für das „kleinste Opernhaus“, eine Neupositionierung der sanften Art im Jahr 2015 ebnete den Weg für Donizetti und Rossini, also „plenty of“ feine Belcanto-Opern, gewitzt und qualitativ hochwertig umgesetzt. Die hübsche Umgebung (Neudorf im Weinviertel) und die liebevolle Umsetzung der Opernproduktionen sowie die sorgsam ausgewählten Besetzungen sorgen jedes Jahr für „hautnahe“ Spannung. Man sitzt sehr nahe an den Künstlern und kann so die Oper wirklich auf spezielle Weise begreifen.

Für die Saison 2026 hat Intendant und Bürgermeister von Neudorf, Stephan Gartner, „Il cambiale di matrimonio“ von Gioachino Rossini, abermals eine farsa (comica) nach der letztjährigen Produktion „L‘ occassione fa il ladro“ (Gelegenheit macht Diebe) angesetzt. Also – „Der Heiratswechsel“ gelingt hier in Kirchstetten, so viel sei verraten, schon sehr gut.

Über die Handlung sei folgendes gesagt:

Liebe als Handelsware

Der Londoner Kaufmann Tobias Mill will seine Tochter Fanny mit dem kanadischen Geschäftsmann Slook verheiraten – als Teil eines Handelsgeschäfts. Doch Fanny liebt bereits Edoardo Milfort. Als Slook erkennt, dass Fanny nicht freiwillig heiraten will, verzichtet er großzügig auf die Verbindung und hilft den Liebenden, die Zustimmung von Mills zu gewinnen. Am Ende gibt es ein versöhnliches Happy End. – Zitat: Oper Schloss Kirchstetten.

Rossini komponierte dieses Werk im Alter von 18 Jahren und fiel hier schon durch präzise und humorvolle Figurenzeichnung auf.

Viel ist los, ehe Sevana Salmasi – schon häufig im kleinsten Opernhaus und sehr beliebt – in ihrer Rolle der Clarina, Fannys Zofe, einen Walkman zur Erbauung benutzt .Die Handlung wurde im Stil einer Soap Opera um die 80er Jahre umgesetzt, inklusive Amerika-Fahnen und falschen Dollarscheinen. Salmasi ist überhaupt ein „heimlicher Star“ der Produktion, immer wieder gibt sie Akzente und sorgt für schelmisches Augenzwinkern mit ihrem guten Spiel. Auch ihre Stimme ist bestens disponiert. Das kann man auch von Joseph Calzada als Slook behaupten. Er ist eine tolle Bühnenerscheinung, liebt den Auftritt und die Poser-Rolle und macht seine Sache stimmlich und darstellerisch gut. Gern würde man ihn öfter hören. Friedo Henken schlüpft in die Rolle des Tobias Mill. Geschäftsmännisch, immer wieder auftrampelnd, laut auf sich aufmerksam machend, auch ihm, so merkt man, macht die Rolle Freude. Und sein Stock als wichtiges Accessoire, natürlich. Mit einem schönen Bass und guten Momenten kann der Diener Norton – verkörpert von Kirchstetten-Liebling Antoine Amariutei – punkten. Die Italianitá ist im Ensemble allgemein vertreten – speziell aber mit viel Leidenschaft agiert der Edoardo Milfort – auch mit pikanter Schal-Szene, er zieht ihn durch seine Beine – des Marco Trespioli, ebenso in Kirchstetten kein Unbekannter. Der schmust munter im bunten Outfit mit seiner Fanny – in Glitzerpants und „sexy“ Oberteil, das ist Ana Cvetkovic – fein, sie ist sehr höhensicher und trägt einen großen Teil des Geschehens, muss auch akrobatische Leistungen wie auch der Rest des Ensembles vollbringen. Pia Welser ist in einer stummen Dienerrolle zu sehen, bedient sich häufig der Körpersprache und setzt hier auch wirklich auffällige Akzente.

BRAVI TUTTI, kann man da konstatieren.

Die Regie von Richard Panzenböck hat im Vergleich zum Vorjahr – so entsteht der Eindruck – noch mehr an Tempo und Fahrt aufgenommen. Hooman Khalatbari, musikalischer „Mastermind“, entfesselt wieder die Virtuosi Brunenses, also das Brünner Orchester, das in kleiner Besetzung auf kleinem Raum agiert. Solch eine Begeisterung für das Werk! Eva Drnek ist wieder für die Produktion verantwortlich. Almasa Jerlagic hat wirklich hübsche und passende Kostüme für die „Soap Opera“ entworfen, Zwirn für die Herren, kesse Outfits für die Damen. Dicke Uhren, Gürtel, Gehstock, Stecktuch. Für die Pomade im Haar sorgt Marta Stoimenova, und für die Glatthaarperücke von Fanny, die sonst wunderbare Naturlocken hat. Petra Fibich trägt die funktionelle, mit einigen Tischchen – und Murmeltier (!) und Lightsticks ausgestattete Bühne, die akrobatische Meisterleistungen aushält. Für diese Saison alle glücklich? JA!

Nächstes Jahr, 2027, gibt es „La Scala di Seta“ („Die seidene Leiter“), wieder von Maestro Rossini.

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