Österreich, Italien und Frankreich vereint in Oper und Operette beim Amici del Belcanto-Heurigen 2026

Der sehr empfehlenswerte Mostheurige Tolstiuk (Chefin: Sabine Tolstiuk) im beschaulichen Natschbach im südlichen Niederösterreich war abermals der Schauplatz beziehungsweise die Bühne für den jährlich stattfindenden Heurigen der Amici del Belcanto unter ihrem Präsidenten Michael Tanzler.

Kenner wissen, was sie erwartet: Ein Pausenbuffet, das sich mit mostheurigen-typischen, liebevoll drapierten Speisen mehr als sehen lassen kann – vom feinen Käse mit Nüssen über das herbe Luftgetrocknete, Blutwurst, Geselchtes, Speck, bis zu Aufstrich, Pfefferoni, Gurkerl und Ei. Für jeden Geschmack also etwas dabei. Am Tisch gibt es Apfelsaft und hauseigenen Most. Beste Voraussetzungen für einen genussvollen Abend, der dieses Mal ganz wenige Regentropfen beinhaltete, die sich ob des Gesanges eilig verzogen.

Drei Länder bekamen die Gäste musikalisch „serviert“, ein abwechslungsreiches und doch stringentes Programm wurde dargebracht. Eröffnet und unterstützt wurde diesmal vom „Mailüfterl“ im August, dargeboten vom 1. Neunkirchner Musikverein – hier Maestro Erwin Stoll, Andreas Brenner und Christian Schicker.

Dr. Alexander Gallee, vielseitig begabter (auch bildender) Künstler, Arzt und Sänger, begann den Reigen tenoral mit „Ein Lied geht um die Welt“, die Titelmelodie des gleichnamigen Tonfilms von 1933, mit Musik vom Wiener Komponisten Johannes Mayer, unter seinem Künstlernamen Hans May veröffentlicht. Der erste Tenor, der es gesungen hat, war Joseph Schmidt. Weiter, so kündigte Präsident Tanzler an, ging es mit einer sehr populären Mozart-Oper, der „Zauberflöte“. Die französische Sopranistin Albane Liger-Belair, die die Königin der Nacht in ihr Repertoire aufgenommen hat, brachte „O zittre nicht, mein lieber Sohn“ auf die Heurigen-Bühne. Sie verfügt über runde Höhe und Ausdruckskraft.

Der italienische Bass (sein Repertoire umfasst viele große Bass-Partien) Duccio Dal Monte ließ seine Stimme mit „In diesen heil’gen Hallen kennt man die Rache nicht“ strömen. Ein feiner Sarastro! Im ersten Teil ließ er weiters seinem „Attila“ mit „Mentre gonfiarsi l‘ anima“ freien Lauf. Der kriegerische Hunnenkönig eroberte bereits – nicht nur konzertant – so einige Bühnen. Dal Monte versteht es, Figuren ein nötiges Profil zu verleihen. Auch Walter aus Luisa Miller wurde von ihm in „Angriff“ genommen: „Il mio sangue, la vita darei“. Albane Liger-Belair schlüpfte inklusive der Schauspieleinlage auch in die Rolle der „Unschuld vom Lande“ alias das Stubenmadl Adele aus der „Fledermaus“. Ganz in ihrem französischen Element war Liger-Belair mit der „Marie“ aus „La fille du Regiment“, wo sie herzerfrischend „Chacun le sait“, wie schön – sang. Einzig der Soldatenchor „fehlte“ ihr. Die Fähigkeiten, eine Puppe zu singen und zu spielen, fehlten ihr hingegen keinesfalls: Die Olympia („Les oiseaux dans la charmille“), oder „La chanson de Olympia“ aus Hoffmanns Erzählungen ließen sie in Offenbachs Opernwelt vordringen. Die Puppe, in die sich der Dichter Hoffmann im Glauben, sie sei ein echter Mensch, verliebt! Die eigentlich gar nicht echt ist. Und genau da liegt die Schwierigkeit. Glaubhaft zu bleiben. Schön wäre es gewesen, wäre sie in „Spalanzani-Manier“ mit dem Schraubenschlüssel aufgezogen worden. Den Hoffmann lieferte gleich dazu der langjährige Amici-Publikumsliebling, Tenor Mickael Spadaccini mit dem lustig-entzückend und am Ende auch sensibel vorgetragenen Lied von „Klein-Zack“, einer phantastischen Figur, die gerüchteweise Komponist Offenbach selbst karikieren sollte.

Die Cavalleria Rusticana von Pietro Mascagni für Italien war prominent vertreten: Mickael Spadaccini wurde zu dem emotionsgeladenen Turiddu und spielte dies auch energisch aus. Für das Duett traf er auf seine Santuzza in Gestalt von Katerina Dankevich, einem dramatischen Sopran: „Tu qui Santuzza“ geriet zu einem intensiven Kammerspiel der beiden, gefolgt von großem Applaus. Dankevich präsentierte sich auch mit „Voi lo sapete o mamma“ wo sie in der Höhe zwar mühelos, doch sehr leicht scharf klang. Sie wünschte auch den Herrn als Siegreichen zurück: „Ritorna vincitor“, die Arie der Sklavin (äthiopische Königstochter) Aida, weltberühmt durch Giuseppe Verdi. Mit dem Monolog und mit dem Tod des Otello hatte Spadaccini wiederum Großes vor, und erklomm den Gipfel leichtfüßig und strahlend. Er wird diese Rolle ab September ebenso am Theater Krefeld singen. Man kann ihn sich auch als Radames gut imaginieren.

Man nennt sie Mimi, aber eigentlich heißt sie Lucia – Opernfans wissen, wovon die Rede ist: Die junge Daria Kolisan machte sich an die berühmte Vorstellungsarie aus „La bohéme“. Auch als Bellinis „Sonnambula“, eine Paraderolle der Anna Netrebko, trat Kolisan gut in Erscheinung. Dr. Alexander Gallee war ganz der Ansicht, man sollte ein Stück des italienischen Salonromanzen-Meisters bringen und zwar „una Serenata“. Konkret jene von Francesco Paolo Tosti von 1888. Vola, Serenata. Von Sehnsucht, einer Geliebten, Meer und Strand erzählte sein Lied, welches für die Italianitá stand, und wurde genauso sehnsüchtig interpretiert. Es ist ein abendliches Musikstück, abgeleitet von sereno („italienischer Nachthimmel“). Und vom „surdato ’nnamurato“, dem verliebten Soldaten, erklang das neapolitanische Volkslied: Sei dieser Liebe gewiss. Gallee hat sich für seine Interpretationen meist italienische Volkslieder hergenommen. Eine Notiz am Rande: „Der verliebte Soldat“ des Komponisten Enrico Cannio ist die inoffizielle Hymne eines neapolitanischen Fußballvereins, des SSC Napoli.

Duccio Dal Monte ließ Stimme und Pfiffe des Mefistofele erklingen, welche er schon oft vorgeführt hat. Er merkte humoristisch an, „wenn die Stimme nicht mehr geht, gehen die Pfiffe“, was nicht der Fall war. Die engagierte Pianistin Nina Violetta Aichner, die Konzertfach Klavier in den USA studiert hat und Senior Lecturer für Korrepetition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW) ist, begleitete kompetent wie immer alle auftretenden Künstlerinnen und Künstler.

Das Publikum aus Opernfreunden verlangte Zugaben: „Libiamo“, das Trinklied aus „La traviata“ und „O sole mio“ von Capua griffen noch einmal die gute Stimmung des Abends auf.

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