Un bel di ! Madama Butterfly – Progetto Puccini 2026 der Opera Prima Wien unter Maestro Tiziano Duca mit Yitian Luan in einer Glanzrolle / Pozzuolo del Friuli

Ein Festival, welches atmosphärisch seinesgleichen sucht. Ein Vierkanthof, eine Villa (Gradenigo Sabbatini) „im Grünen“. Davor ein detailreiches, mit einfachen Mitteln errichtetes und doch ausgeklügeltes Bühnenbild. Festival-Vorfreude im gesamten Ort, festliche Kleidung, überall flirrt die Luft, es ist heißer Sommer. Naturgeräusche inklusive. Das ist Pozzuolo del Friuli bei Udine in Italien. Maestro Tiziano Duca, seines Zeichens Festivalleiter und Dirigent, hat hier gemeinsam mit seinem engagierten Team ein kleines Opernparadies geschaffen. Alles handverlesen, jede Note, jedes Blatt.

Abermals folgt man dem großen Komponisten Giacomo Puccini – das Progetto Puccini ist wieder an der Ordnung, und man spielt Madama Butterfly – heute würde man Culture Clash als den Inhalt bezeichnen. Wenn man es mit der Artverwandten, der Operette vergleichen würde, könnte man „Das Land des Lächelns“ – Il paese del sorriso, nennen. Zwei Kulturen verlieben sich ineinander, beides geht tragisch aus. Die Cio-Cio-San ersticht sich am Ende, und Lisa in der Operette möchte wieder „die Heimat sehen“. Puccini schuf eine „Tragedia Giapponese in due Atti“, die am 17. Februar 1904 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde.

Yitian Luan, heute Sopranistin, Gesangsdozentin an der Uni Passau, ausgebildet in Köln, hat sich bravourös die Rolle der Cio-Cio-San (Madama Butterfly) erarbeitet und eine Darbietung von höchster Güte gezeigt. Ihre darstellerische Qualität kann sie in den leisen, wenig dramatischen Momenten (etwa bei der Vorstellung von B.F. Pinkerton) so wie auch mit Mordinstrument vor der Brust beweisen.

Im ersten Akt wirkte der Gesang aller stellenweise noch etwas leise, was sich sodann steigerte.

Mladen Prodan setzt die Rolle des Pinkerton charmant mit einem gewinnenden Lächeln an, muss aber besonders stimmlich noch ein bisschen „hineinwachsen“. Nicht jeder hohe Ton überzeugt auf voller Linie. Überzeugend verliebt ist er doch, und dann, wenn sie sich umgebracht hat, ist da echte Besorgnis, die das Publikum sofort spürt. Eine verlässliche Stütze und auch im Duett mit ihr sehr angenehm gestaltet Sanja Anastasia die Rolle der Dienerin Butterflys, Suzuki. Blütenstreuen und verstohlene Mimiken gehören da wie dort dazu. Seine amerikanische Frau – elegant und tongebend – ist Kitija Minate, von ihr kann man gerne mehr sehen und hören. Als Sharpless (Konsul aus den USA in Nagasaki) darf sich Wiener-Staatsopern-Veteran Paolo Rumetz in den Cast gesellen. Er genießt das Spiel und die Aufmerksamkeiten allerorten. Der Heiratsvermittler Goro, er hat „alles im Angebot“ – Damen zum Verheiraten, was man heute schon nicht mehr sagen darf – effektvoll mit wenigen Worten wie auch brachial – Sinisa Radin.Übrigens sind Prodan und Radin bestens bekannt aus dem Vorjahr: Hier bildeten sie gemeinsam mit Kollege Giovanni Romeo das Trio der Minister in Turandot.

In kleineren Partien – passend ausgestattet: Der Fürst Yamadori, Fulvio Trapani, der Onkel – Lo Zio Bonzo, Hektor Leka, bis hin zu Cio-Cio-Sans Mutter – Eleonora Possamai.

Sabina Arru, die Maestra del Coro, hat den Coro Opera Prima Wien disponiert und der berühmte Summchor berührt die Herzen! Überhaupt kann man von der Aufführung sagen, dass sie die emotionale Seite der Zuhörerschaft gut getroffen hat.

Quod erat demonstrandum – das ist für den Maestro nicht maßgeblich, denn er muss sein Können nicht mehr unter Beweis stellen. Man kennt seinen Namen und weiß, was er (nicht nur musikalisch) leistet, auch für die Region. Duca ist ein akribischer Leiter, und auch Begleiter, singt und atmet mit seinen Darstellern mit.

Die romantische Atmosphäre der Oper unter dem Sternenhimmel, wobei sich ein Stern wie bestellt genau über der Bühnenmitte erstrahlend platzierte, ist ein Schatz, den es zu hüten gilt. Bravo, Opera Prima Wien!

Nächstes Jahr wird voraussichtlich ein anderer Komponist aufgeführt werden.

Viva Pozzuolo per sempre, hoffentlich!

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