Giacomo Puccini

Puccinis Diva stirbt in Gars – Vorschau auf „TOSCA“ – Oper Burg Gars.

Floria Tosca, Giacomo Puccinis Diva und heroische Frauenfigur der Oper, hat vor, sich diesen Sommer von der Garser Engelsburg zu stürzen. Geplant ist eine Oper in 3 Akten, sie will sich mit ihrem geliebten Mario Cavaradossi absetzen.

Dramatische Szenen werden sich im alten Gemäuer abspielen, die Kulisse ist perfekt. Die Sängerin Lada Kyssy porträtiert die leidende und heroische Diva in Gars am Kamp. Die Babenberger Burgruine dient sowohl weltlich als auch geistig als Austragungsort von Liebe, Mord und Hoffnung. Eine Verstrickung, die am Ende nicht mehr aufzulösen ist, eingebettet in Puccinis traumschöne Musik. Die Dramatik des 3. Aktes ist wohl kaum zu steigern.

Mario Cavaradossi kann hier – ein unschätzbarer Vorteil – bei seiner „Sternenarie“ E lucevan le stelle auf die echten Himmelskörper blicken. Im Idealfall natürlich. Um 1800 fühlt man sich garantiert zurückversetzt, auch wenn alle modernen Annehmlichkeiten einer Open-Air-Bühne zur Verfügung stehen.

Zur Seite steht der Titelheldin – und lässt sich sogar ihretwegen vor ein Erschießungskommando führen – der spanische Tenor Oscar Marin.

Wolfgang Gratschmaier führt Regie und Intendant und musikalischer Leiter Johannes Wildner setzt 2018 auf die dramatisch-romantische Geschichte der gottgläubigen Operndiva, die wohl schon manche Opernbesucher gefesselt hat und weiterhin als ein „Dauerbrenner“ auf den Bühnen der Welt zu finden ist. In Gars ist es ein bisschen anders, weil die naturschöne Kulisse viele Aufbauten erübrigt, die in einem geschlossenen Haus mühevoll notwendig wären.

 

Info:

TOSCA von Giacomo Puccini

Ort: Oper Burg Gars, Am Schlossberg, 3571 Gars am Kamp

Premiere am Donnerstag, 12. Juli, um 20 Uhr

Dauer: 165 Minuten inkl. einer Pause

Karten: von € 28 bis € 73, unter https://burg-gars.at/tosca

Besetzung: Lada Kyssy, Oscar Marin, Benedikt Kobel, Marcus Pelz

 

 

 

„MADAMA BUTTERFLY“ (Puccini) an der Oper Leipzig – mit Kyung Rim, Hausmann, Rivero

Die westliche Welt bricht in die östliche ein, so lässt sich dieses Puccini-Meisterwerk kurz zusammenfassen. Es geht um Liebe, und das Verlassen-Werden. Aber, eines schönen Tages, das wissen wir alle, kommt er wieder. So meint zumindest Cio-Cio San. An der Oper Leipzig kam das Werk zur Aufführung.

Drei verschiedene Rollen für die Frau im Jahr 1900 waren der Ausgangspunkt für die Handlung. Entweder die Frau bekam Kinder und führte den Haushalt, oder aber sie war für die sexuelle Befriedigung des Mannes verantwortlich, oder aber eine Frau, die den Mann nur kulturell unterhielt (die Geisha). Cio-Cio San ist die Rolle als „brave“ Ehefrau zugeteilt. Als durch den Selbstmord des Vaters die Familie in bittere Armut „stürzt“, versucht sie sich als Geisha.

Bis sie sich an einen schmierigen Heiratsmakler wenden muss, der ihr den Amerikaner Pinkerton zuschanzt….

Als Hauptprotagonistin Cio-Cio San ist Sae Kyung Rim nicht nur optisch eine Idealbesetzung. Auch an der Ausstrahlung und der stimmlichen Strahlkraft mangelt es ihr nicht.

In der Rolle der Suzuki ist Sandra Fechner zu sehen und zu hören. Erhaben und doch ergeben.

Als blonde Kate ist Lissa Meybohm zu erleben. Die Berlinerin gibt der Figur nicht nur den typischen Charme, sondern auch Attitüde.

Catrin von Rhein ist eine eindrucksvolle Mutter.

Die Cousine Hitomi Yakamoto ist in ihrer hilfsbereiten Stellung ein immer gern gesehener Gast.

Die beiden männlichen großen Parts sind mit Gaston Rivero als Pinkerton und Mathias Hausmann als Konsul Sharpless profund besetzt.

Die Inszenierung von Aron Stihl ist modern, hält sich an manchen Stellen zurück, wo sie doch ein wenig an Schwung gewinnen sollte.

Die Kostüme in der Inszenierung schwanken zwischen streng traditionell (Kimono) und moderner bis gehobener Freizeitkleidung (Sharpless und Konsorten).

Dirigent Christoph Gedschold spielt das Gewandhausorchester Leipzig wacker durch die Japanische Tragödie in 3 Akten.

 

Weitere Spieltermine an der Oper Leipzig:

06. Februar 2018, 19:30

18. März 2018, 18:00

 

http://www.oper-leipzig.de

 

Die beiden OPERALIA-Gewinnerinnen in einer Oper!

 

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Neuproduktion „La Bohéme“ an der Opéra National de Paris Foto (c) B. Uhlig

 

 

Placido Domingos Wettbewerb „OPERALIA“ zur Findung neuer, junger Operntalente hat zwei sehr besondere Sängerinnen auf ein Podest gehoben: Es handelt sich dabei um Sonya Yoncheva (Gewinnerin 2010) und Aida Garifullina (Gewinnerin 2013). 

An der Operá National de Paris werden die beiden Damen heute in Puccinis „La Bohéme“ die Mimi und die Musetta verkörpern. Was für eine „Opening Night“!

Das „mögliche neue Traumpaar“ der Oper beim großen Auftritt! Wallmann-„Tosca“ in Wien mit Kaufmann, Serafin, Vratogna

Manchmal spielt das Schicksal seltsame Spiele: Auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper für 08. Mai 2017 war die berühmt-berüchtigte Wallmann-Tosca (also die „alteingesessene“ Tosca in der Inszenierung von Margarethe Wallmann) angesetzt. Singen sollten „unser aller“ Jonas Kaufmann und Angela Gheorghiu, sowie als Scarpia der Italiener Marco Vratogna. Aber Gheorghiu wurde krank, sagte für den Abend ab. So wurde eine ebenso hochkarätige Einspringerin gesucht: Man fand sie in Gestalt von Martina Serafin, welche in Wien geboren, aber in Italien zu Hause ist. Gewissermaßen war es also ein Heimspiel. Und es bewahrheitete sich ein weiterer Artikel: Die Stimmen müssen stimmen – ein mögliches neues Traumpaar der Oper ?

Nun wollen wir uns also einmal wieder der „Stamm“-Tosca der Wiener Staatsoper zuwenden, die in verschiedensten Ausführungen bereits behandelt wurde.

Der erste Akt verlief eher unauffällig, große Leistungen waren hier noch ein wenig zurückhaltend vorgebracht. Dirigent und Debütant Eivind Jensen agiert schlagkräftig.

Clemens Unterreiner hat in Cesare Angelotti eine „neue Traumrolle“ (?) entdeckt, die er bereits zum wiederholten Male im Haus am Ring verkörpert. Man muss es einfach mal sagen: Trotz aller Hektik und Fluchtversuch, trotz wilder, abgekämpfter Frisur, verzweifelter Mimik; der Kerl ist immer noch sehr fesch! (Leider bringt er sich alsbald im Stück um). Stimmlich auch auf der Höhe, und top motiviert, was will man mehr! Ein anderes Kapitel ist Paolo Rumetz als Mesner, er ist lieb, harmlos, ein bisschen blass um die Nase. Wirkt auch ziemlich verkleidet, eigentlich ist er für andere Rollen besser besetzt. Da merkt man schlicht, er steckt in der falschen Kutte. In weiteren kleineren Partien (Spoletta, Scarrione, Schließer) waren Wolfram Igor Derntl, Mihail Dogotari und Ayk Martirossian sehr bemüht und fügten sich ein.

Als Marco Vratogna als der „Böse“ Scarpia erscheint, erzittert man zunächst nicht. Man kann auch nicht wirklich festmachen, woran das liegt. Besonders groß ist er nicht, besonders grimmig „schaut“ er nicht. Seine Bosheit liegt mehr im Detail. Und hier schlägt sie umso mehr zu. In Gedanken versunken, aber bereits im nächsten Moment sehr listig wirft er Martina Serafin als Tosca ein hintergründiges „dolce signora“ zu, als sie beten gehen möchte. Sie wird kurz schwach, wendet aber dann wieder ab. Sie gibt in diesem Akt eine gestisch starke Tosca, sie erscheint imposant, sehr würdevoll. Die Stimme muss beim ersten Auftritt kurz ihren Platz suchen. Das Piano ist unvergleichlich gut, Tosca wehrt sich somit auf subtile Weise gegen Scarpias Versuche, sie um den „Finger zu wickeln“.  Sie agiert ausdrucksstark, man möchte sie nicht weinen sehen. Dazugesagt sei auch, dass die Künstlerin diese Rolle „im kleinen Finger“ hat, möglicherweise ist sie ihr auch sehr ans Herz gewachsen. Sie sagte selbst im Interview, dass Tosca eine sehr starke Frauengestalt Puccinis sei, welche aber nicht zu sehr dem Neid und der Eifersucht anheim fallen sollte, wenn es um die Interpretation geht. Sie versteht die leidende Sängerin sehr gut, die in jedem Akt anders auftreten muss, aus einer anderen Ausgangssituation heraus agieren muss. Bei Martina Serafin entsteht überhaupt der Eindruck, dass sie die Rolle spielt, und nicht abspult. Sie ist lebendig, stark, kräftig, dabei elegant im Ausdruck.

Beim „Te Deum“ denkt Scarpia alias Vratogna wirklich, dass er in Toscas Herz „nisten“ wird. Das „Pronto Sospetto“ kostet er mit süffisanter Mimik aus, weil er bereits siegessicher ist. Beim Übertönen des Chores hat Marco Vratogna merklich kein Problem, er bleibt angenehm hörbar. Das ist beileibe nicht bei jedem Sänger der Fall.

Ja, und „unser aller“ Jonas, Jonas Kaufmann? Was ist mit ihm, der nicht nur die Kartenpreise ein gutes Stück anhebt, sondern auch das Blut, die Gedanken und die Gyri seiner treuen Fans in Wallung bringt? Er agiert verlässlich: Und das ist jetzt nicht einfach so gemeint. Verlässlich, das heißt doch nichts Besonderes, nicht wahr? Verlässlich in dem Sinne, dass man sofort, wenn er die Bühne betritt, den Eindruck hat, er brauche nur einen kleinen Ton von sich zu geben, nur mit einer seiner eleganten Bewegungen das Jackett abzulegen, damit es „seinem“ Publikum schon zu viel wird. Man muss sagen: Selten gibt es einen Künstler mit einer solch ausgeprägten Bühnenpräsenz. Mit einer solchen stimmlichen Präsenz. Dieser Mann hat das gewisse Etwas, das man nicht erlernen kann. Der Cavaradossi ist an jenem Abend „nur“ ein Mantel, seines großen Könnens. Er hat nicht den Ansatz von Mühe, Anstrengung, es sieht so leicht aus. Großes Lob an dieser Stelle!

Der 2. Akt: Als ihm die Diva fehlt, ist Scarpia alias Vratogna recht ausdruckslos. In seinen imposanten Stiefeln, an seinem eigenen Speisetisch sitzend, fühlt er sich merklich wohl. Vratogna ist deutlich im Ausdruck, seine Mimik wechselt gekonnt von „böse“ zu „gespielt freundlich“ und dann wieder „süffisant“. Angenehm seine Stimme, große Ausbrüche bietet sie jedoch eher nicht. Er schreit seine Aggression nicht heraus, er agiert fast nobel über sein Gesicht, seinen Ausdruck. Brutalität fehlt ihm äußerlich aber gänzlich, er wirkt fast auf eine seltsame Weise schon sympathisch..?!

Kaufmann strahlt wieder mehr „Italianitá“ aus, was viele freut, fein sind seine Bewegungen. Cavaradossi auf-und abschreitend, seine Grenzen abwägend, auf dem Prüfstand befindlich. Scarpia zeigt hier ihm gegenüber wenig Verständnis, wird streng, hat keine Lust auf Spiele mehr. Sein italienischer Gesang ist originär (seiner Herkunft geschuldet), nichts Hartes ist zu erkennen. Serafin mischt sich in die Szene, erscheint zugleich damenhaft und herrschaftlich.

Bereit ist Tosca, zu verhandeln, Scarpia mustert sie Appetit generierend. Sofort wird seine Stimme noch weicher, sie hingegen zeigt einen verhärteten Ausdruck und verharrt den Handschuh schwingend, auf dem Liegesofa. Vratogna scheint ein sehr aufmerksamer Sänger zu sein, er beobachtet seine Mitspieler(innen) genau. Zu keinem einzigen Zeitpunkt „schleimt“ sein Scarpia, was man von anderen Interpreten dieser Rolle nicht behaupten kann. Verzweifelt schreiend wirft sich Tosca in die Mitte des Raumes, als Jonas Kaufmann als Cavaradossi nicht sichtbar (aus dem Off) gefoltert wird. Ihr wiederum beleidigter Gesichtsausdruck, als Scarpia sich weigert, die Folter zu beenden, ist eine Feinheit. Die Stimme entfaltet an dieser Stelle viel Kraft und viel angebrachte Verächtlichkeit kommt zum Vorschein bei Serafins Tosca. Wut zeigt sie später, eine Kampfszene zwischen Tosca und Scarpia gerät sehr heftig, als Martina Serafin ihren Kopf gegen Marco Vratognas Brust wirft. Bei all ihren sängerischen Verzweiflungsschreien wirkt sie immer noch sehr fokussiert und konzentriert. Jonas Kaufmanns Cavaradossi bot hier stimmlich noch keinen sehr verzweifelten Ausdruck, erst als er mit Theaterblut überströmt aus seiner Folter entlassen wird, wird es wieder sehr intensiv. Er liegt am Boden, und es sieht sehr zärtlich aus, als Serafin sich über ihn beugt und ihm zu helfen versucht. Jonas Kaufmann zeigt hier eine sehr verletzliche, weiche Seite des Malers, wie hingelegt liegt er da. Für weitere Verhandlungen, so denkt sich Martina Serafin, kann ein bisschen spanischer Wein nicht schaden (alias Trauben- oder Himbeersaft), und so greift Tosca zum Glas.

„Von einer schönen Frau“, so kann man es sich schon beinahe antizipieren, will Scarpia „kein Geld“. Tosca wehrt sich von den Augen bis zu den Zehen, und zeigt trügerische Erleichterung, als ihr Scarpia vollmundig verkündet: „Sei libera.“ Das war ein Trugschluss. Wenig später sitzt er bereits auf ihr und es ertönen die Trommeln. Schnelles Handeln ist gefragt: Und da wendet sich Serafins Tosca vertrauensvoll an Gott. Ihr erwartetes „Vissi d´arte“ gerät sehr gut, etwas höher als gewohnt, und leidend, wieder auf dem Sofa, mit großem Ausdruck. Zusammensinkend verharrt sie immer noch im tiefen Gebet. Viel Applaus gibt es hierfür.

Scarpia wird noch bekniet und um Gnade angefleht, aber er hat übermäßigen Appetit. Nach einem liebestollen, recht heftigen Angriff auf Tosca, den er abbrechen muss, rückt er sich, ganz Italiener, das Gewand wieder zurecht. Später hantiert er locker und nichtsahnend mit den Kerzen(leuchtern), dass diese eine wesentliche Rolle spielen, wird ihm (nicht mehr) bewusst werden. Er geht auf Tosca zu und bäumt sich wieder wollüstig auf (hat schon etwas !). Im nächsten Moment muss er aber „Aiuto“ rufen, und das mehrmals, weil sie ihm ihren „Kuss“ gegeben hat: Der Ausdruck „Bacio di Tosca“ steht leider nicht für etwas Leidenschaftliches, sondern für Mord. Schon hat er den Dolch im Herz, und auch im Sterben ist er noch Italiener, langsam seufzend, jammernd und rufend sinkt er dahin zu Boden. Das ist großes Kino. Noch schwer atmend, als er eigentlich bereits „tot“ sein sollte. Nun, die Qualität eines „Bühnentodes“ sollte wohl daran nicht gemessen werden. Tosca ist sogar noch so menschlich und legt dem Ermordeten das christliche Kreuz auf, und verschwindet.

Im 3. Akt geht es wie gewohnt düster zu. Es herrscht eine drückende Atmosphäre rund um die erbaute Engelsburg, es ist aber trotzdem stimmungsvoll. Alle Augen sind auf einen gerichtet: Jonas, immer noch (rollentechnisch bedingt) blutend. In vielen Inszenierungen kniete er, hier steht er anfangs zwischen Soldaten. Immer wieder hält der Tenor-Held inne, wohlüberlegt singt er und ausgewogen. Alleine beherrscht er vorerst die Bühne, sitzend und tief in sich gekehrt, ungewohnterweise etwas tief beginnt seine Arie: „E lucevan le stelle..“ Man spürt seine Emotion ganz deutlich. Seine starren und sehr ausdruckslosen Augen unterstreichen das Leid, das er gerade fühlt. Das „vita“ zieht er ein wenig in die Länge. Und dann: Jubel, Jubel, Jubel, Bravos, er verharrt ruhig, lässt sich nicht ablenken, es folgt minutenlanger Applaus, er spricht ein wenig mit sich selbst und atmet. Frenetischer Jubel und Schreie (!) folgen. Er lacht jetzt doch ein bisschen. Er wiederholt die Arie und gewährt dem Publikum, was es will.

Was noch auffällt: Beim romantischen Handkuss mit Tosca hat Cavaradossi wohl eher seine eigenen Finger abgeküsst, ein lustiges Detail. Das Paar zeigt eine wunderbare Synchronität. Selbst beim „Erschießen“ lächelt Kaufmann ein wenig. Dann, als Serafin ihn zum Gehen animieren will und ihn „erschossen“ vorfindet, spielt er ein wenig „tot“ aber bewegt die Augen weiter. Sie schreit, springt diesmal Gottlob nicht von der Burg (bei derselben Inszenierung im Dezember 2015 verletzte sie sich beim Sprung schwer am Bein und musste sich sogar einer Operation samt Bühnenpause unterziehen), sondern schreitet mehr hinab. Leider wird deutlich, dass kurz vorher ihr Kleid zerrissen ist.

Am Ende ist der Applaus für alle drei Protagonisten frenetisch, und dauert wahnsinnig lange! Ein toller Abend für Tosca!

 

 

A Story about… PUCCINI & LUCCA

Puccini-Statue in Lucca

Puccini-Statue in Lucca

 

Giacomo Puccini und seine Heimatstadt Lucca in Italien. Von hier aus brachte er die „Welt zum Weinen“. Mit wunderschönen Werken wie „La bohéme“, „Tosca“, „Madama Butterfly“, „Turandot“ oder „Manon Lescaut“ prägte er die Opernwelt bis heute. Sopranistinnen reißen sich um die Titelpartien, Tenöre schmelzen, wenn sie den Liebhaber-Part singen dürfen.

In Lucca wurde er also geboren. In Lucca, lei m´ intende? 🙂 Wo liegt Lucca denn eigentlich? In der Toskana, zirka 20 km nordöstlich von Pisa. Große Bedeutung hatte in Lucca die Textilindustrie. Berühmt war die Seide. Iulius Caesar hielt hier schon 56 v.Chr. seine Besprechung mit Crassus und Pompeius. Einige Jahre später, also 1858, tat hier Puccini seinen ersten Schrei.

Die Provinz Lucca erstreckt sich über einige Gebiete: Die Versilia am tyrrhenischen Meer, die Garfagnana an der Grenze zur Emilia Romagna, das Serchio-Tal und die Ebene von Lucca zählen dazu. Die Villa Mansi mit ihren schönen Parks liegt im Umland von Lucca. Die Provinz selbst wurde durchquert vom Frankenweg, einem großen Handelsweg im Mittelalter.

Sein Vater Michele Puccini war sogar Leiter der Stadtkapelle Lucca, sein Großvater Domenico schrieb Orchester- und Klavierwerke. Also beste Voraussetzungen für einen großen Komponisten, sollte man meinen? Liegt doch das musikalische Talent in der Familie.. Also, Giacomo Puccini hat sich bestimmt nicht nur hingesetzt und gemeint: „A tela o a seta ricamo in casa e fuori“, wie eine seiner berühmtesten Titelheldinnen. Er nahm seine Zukunft in die Hand. Er war ein bissl ein „Aufständischer“ wie man sagen würde. Denn er wollte nicht die über 100-jährige Tradition seines Großvaters und Vaters fortführen und bewarb sich nur als Organist, um seinen Zigarettenkonsum zu finanzieren, nicht um in diesem Business erfolgreich zu sein.

Im Jahr 1883 schrieb er seine Prüfungsarbeit, das „Cappriccio Sinfonico“, aus dem er später Teile übernahm und zu seiner Oper „La bohéme“ hinzufügte. Puccini fühlte sich trotz seines Trotzes wohl in seiner Stadt, wiewohl er bald auszog, um nach Pisa und Mailand zu gehen, um die Erstaufführungen seiner Opern zu begleiten. Im Teatro Regio in Turin (also immer Bella Italia) fanden gleich zwei seiner Premieren statt: „Manon Lescaut“ und „La bohéme“.  Nur die arme „Tosca“ fand ihr Ende zum ersten Mal im Teatro Costanzi in Rom.

Puccini liebte seine Stadt Lucca. Nur die Stadt schien ihn nicht sonderlich zu lieben. Es gibt bis heute nur ein Puccini-Museum, keine Musikakademie nach seinem Namen benannt.

Lucca- Piazza di Anfiteatro

Lucca, Piazza di Anfiteatro

 

Puccini wohnte nach seiner Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin Elvira Bonturi dann in Torre del Lago, wo es heute noch die Puccini-Festspiele gibt. 1921 wohnte er schließlich in Viareggio.

 

Viareggio, späterer Wohnort Puccinis

Viareggio, späterer Wohnort Puccinis

Unter dem Namen „Puccini e sua Lucca“ werden in San Giovanni seine Werke gesungen und gespielt.

So, also würde Puccini nun sagen: „Or che mi conoscete, parlate voi. Deh parlate, Chi siete, Vi piacca dir?“

 

 

-Martina Klinger-

 

 

 

 

 

 

 

Perche me ne rimuneri cosi? – Tosca an der Wiener Staatsoper

Staatsoper Wien                                                                                                         06. Feb. 2015

Die Geschichte rund um Floria Tosca steht schon sehr lang auf dem Spielplan der Oper.  Viele, viele Besetzungen hat diese schon erlebt. Die Inszenierung ist immer noch von Margarethe Wallmann, antik und solide.

Der sonst immer von Alfred Sramek verkörperte, ganz und gar nicht humorlose Mesner war diesmal Wolfgang Bankl.

Die erste Arie des Mario Cavaradossi Alexandrs Antonenko war nicht zufriedenstellend, leider ging sie fast unter zwischen Bankls Einwürfen. Dabei war Antonenko gut bei Stimme. Beim Duett mit Tosca Martina Serafin sah die Sache schon wieder anders aus. Beide glänzten und zeigten schon hier inniges Spiel. „Mia gelosa“ – dabei kann Cavaradossi es nicht lassen, seiner Tosca am Ohr herumzukneifen. Sie reißt ihn auch stimmlich mit, spornt ihn an, alles zu geben.

Der Scarpia Ambrogio Maestri ist doch wohl eher vom Typus Kuschelbär als Bösewicht. So sehr er sich müht, böse zu „kucken“, es geht nicht so recht überzeugend. Die Perücke ist schrecklich, liebe Ausstattung, und so gar nicht für seinen Kopf gemacht! Das Te Deum gelingt gut. Er hat eine gute Stimme, ein herrisches Auftreten. Aber böse? Böse, so richtig? Nein! Höchstens für 2 Sekunden. Dann küsst er wieder Tosca die Hand und wirkt wie ein Gentleman. Als er sie anspricht, senkt sie den Blick. Man denke an Ruggero Raimondi, an Thomas Hampson! Die waren böse. Aber Maestri? Nur in manchen Momenten hier und da ein zischender, zynischer Unterton. Sonst eher süßlich. In der Kampfszene mit Tosca wird er ein wenig wild.  Also doch „a bissl zartbitter“. Aber das wars! Am Ende winkt er, nachdem er schon grausam als Scarpia den Tod fand, wieder gütig seinen Fans im Publikum.

Serafin als Tosca zieht traurige Minen. Sie kann es wirklich gut spielen und denkt sich ganz in die Seelenzustände dieser Frau. Auch stimmlich hat sie so einige Höhepunkte, schon im 1. Akt und danach im 2. beim Vissi d´arte, wirklich deutlich artikuliert. Nur im 3. Akt wirkt sie neben Antonenko stellenweise etwas blass, vielleicht liegt es auch an der ganzen Szenerie. Aus dem übrigen Ensemble hebt sich einzig Il Hong als Schliesser hervor. Ein überaus menschliches Liebespaar scheitert. Das wird eindrucksvoll deutlich, als „Mario, non ti movere“ ertönt und er sich wahrhaftig nicht mehr bewegt. Das Ende ist ein wenig gar schnell und abrupt, kaum ist Tosca gesprungen und vielleicht noch gar nicht unten „aufgeschlagen“ (keine Sorge, Matratze!), schließt sich der Vorhang.

Marco Armiliato am Pult des Staatsopernorchesters gibt sein Bestes. Manchmal ist es aber schlicht zu dröhnend. Musiziert auf jeden Fall sehr respektabel.

-Martina Klinger-

 

Link:

http://www.wiener-staatsoper.com