Eine packende Wiederaufnahme der „Adriana Lecouvreur“ von Francisco Cilea mit Ermonela Jaho und Luciano Ganci in der Wiener Staatsoper

Eine feine und historische Inszenierung von David McVicar, sehr wohltuend im „Dschungel“ werkfremder und überaus moderner Inszenierungen, das lässt sich sagen. Fächer, Halskrausen, Stecktücher, Reifröcke, Pumphosen. Diese erdachte Brigitte Reiffenstuel.

Poesie pur auf der Bühne: Zwei Frauen lieben Maurizio, die Schauspielerin Adriana Lecouvreur und die Fürstin von Bouillon. Beide wollen ihn, beide begehren ihn. Nobel, aristokratisch, leidenschaftlich, versessen. Attribute, die in dieser Oper nicht fehlen dürfen. Das „Liebesdreieck“ entspinnt sich zwischen Luciano Ganci als Maurizio, Ermonela Jaho als Adriana und Elina Garanca als Fürstin.

Alle drei machen großen Eindruck in ihren Darstellungen. Ganci gibt auch stimmlich alles für seine Liebe und sein Publikum, er ist sehr gut disponiert und seine „Adriana“- Rufe, wenn sie dann von den Veilchen, die vermeintlich von ihm stammen, vergiftet zusammenbricht, bleiben noch länger im Gedächtnis. Doch die wahre Absenderin der Veilchen ist die Fürstin. Eine Eifersuchtsgeschichte. Adriana ist sein Leben, seine Liebe. Das will Maurizio sich gestehen. Mit Ganci ist er ideal besetzt, das kann man konstatieren. Ermonela Jaho strahlt in ihrer Höhe mühelos, dank einer famosen Technik, und sie ist eine überaus attraktive Erscheinung, zart-zerbrechlich in den sensiblen Szenen, doch auch eine entschlossene Persönlichkeit, wenn es darauf ankommt. Elina Garanca macht ihrem vorauseilenden Ruf Ehre, bleibt als Fürstin fast zurückhaltend nobel. Die praktikable Drehbühne von Charles Edwards wirkt positiv zum Geschehen, da auch einiges passiert. Lichteffekte von Adam Silverman, etwa wenn die Fürstin vorerst im Dunkel bleibt, und erst dann nach vorne tritt, sodass nur ihre Silhouette zu sehen ist, sind ebenso stimmig.

Der stumme Applaus der Darsteller, wenn sie selbst auf der Bühne Platz nehmen und einer ästhetischen Ballettdarbietung beiwohnen, ist ebenso eine gute Idee und erwähnenswert. Das Ballett lockert die Vorstellung noch zusätzlich auf – von Paris bis Venus und Juno und Jupiter sind sie vertreten.

Als Regisseur Michonnet ist Roberto Frontali, der bedeutende Bariton im Belcanto-Fach, im Einsatz und macht seine Sache sehr gut, als Abbe fungiert Andrea Giovannini, der sich an der Staatsoper immer mehr Rollen erarbeitet und ambitioniert ist. In kleineren Partien wie Poisson und Haushofmeister sind Carlos Osuna und Carl Druml die Bühnenpartner. Den Fürsten und Gatten von Boullion mimt der junge litauische Bass Simonas Strazdas. Auch Kinder der Agentur Rising Talents haben ihre ersten größeren Bühnenmomente.

Der großartige Marco Armiliato steht in dieser Aufführungsserie am Pult des Staatsopernorchesters.

Vorstellungen gibt es noch am 08.,11. und 14. September 2026.

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