„Es war schon dunkel, als ich durch Vorstadtstraßen heimwärts ging“. Und nun ist er für immer in Wien daheim. In Memoriam Udo Jürgens (1934-2014)

Der legendäre Pianist, Komponist und Sänger wurde heute am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Sein Grabmal ist ein weißer Flügel aus Marmor, in den seine Urne eingearbeitet ist. Fans legten bereits Kerzen und Blumen nieder. Kein Zweifel, Udo Jürgens hat Musikgeschichte geschrieben.

Der Mann mit dem bürgerlichen Namen Udo Jürgen Bockelmann: Geboren in Klagenfurt am Wörthersee, wohnte er mit seiner Familie in einem Schloss in der Nähe seines Geburtsortes. Schon als kleiner Junge spielte er die „Quetschn“, die Ziehharmonika, und die Herzen flogen ihm, mit den noch abstehenden Ohren, zu. Musik brachte ihm die Anerkennung, die er suchte. Im Innern zweifelte er manchmal an sich, war sich nicht sicher, ob das, was er tat, zum Erfolg führen würde. Sein Bruder sagte: „Er hat in der Regel improvisiert“. 1951 folgte der 1. Wettbewerb als Jugendlicher. Es war ein Komponistenwettbewerb des ORF, 300 Komponisten mischten mit. Bekannte Namen waren wie Sand am Meer vertreten, und Udo damals noch kein Begriff. Es geschah das Wunder, er gewann den Wettbewerb mit 17 Jahren. Wie bekannt ist, war es nicht der einzige Bewerb in Jürgens Leben. Musik war sein Ein und Alles. Schon wenn er aufstand, in seinem legendären Bademantel, sang er. Seinem Vater sagte er als junger Mann ein Jahr vorm Abitur, dass er nicht mehr in die Schule gehen wird. Ob er Erfolg haben würde oder nicht, sei egal. Er werde auf-oder untergehen. Wenigstens sitze er am Klavier und spiele in einer Hotelhalle. Das sei viel besser als in einer Bank zu sitzen. 1949 studierte er am Konservatorium Klagenfurt Harmonielehre und Spieltechnik.

„Irgendwann kommt die Stunde, da hast du einen Hit“, sagte ihm Max Greger, Bigbandleader. So war es dann auch. Manager rieten ihm:

„Sing doch mal wie Freddy Quinn: Es waren weiße Chrysanthemen“. Doch Udo emanzipierte sich und wollte sein eigenes „Ding“ machen: Jetzt mach ich diesen Mist nicht mehr, und dann sagten die Leute, aus dem wird was. Seine erste Schallplatte nahm er mit 19 Jahren auf. Udo war Unterhaltungsmusiker, der immer auftrat, wenn er sein eigener Musiker sein konnte. Kein Interpret. Ein Liedermacher als Erzähler. Er hatte einen erfolgreiche Großbankier in Moskau als Großvater. Nicht begeistert wenn der Sohn sich der leichten Muse zuwendet, schon bei klassischer Musik hätte man gesagt, naja. Von anderer Verwandtschaft kam da schon mehr mentale Unterstützung: Nach einem Konzert, Udo in der Garderobe, immer noch Sprechchöre im Saal, tauchte ein Mann auf, ich bin es dein Onkel, ich wusste nicht was du machst, mit welchem Ernst, sie lagen sich in den Armen, es war ein sehr emotionaler Augenblick. Wenn du den Weg beharrlich gehst, und wenn du dahinterstehst, dann wirst du es schaffen.

Wie entstand Udos Welthit „Griechischer Wein“?

Jürgens kam aus dem Griechenlandurlaub, setzte sich ans Klavier, spielte einen C-Moll-Akkord, ließ den schaukeln, schuf eine tolle Melodie. Nur verzweifelt war ein Text gesucht, er stellte von vornherein klar: „Eins will ich nicht, keinen Urlaubstext“. Keine Badehose sollte Eingang in den Song finden. Er traf mit dem Text zu vollem Maß den Zeit-Nerv.

Ein Lied war auch ziemlich emotional, Jürgens meinte: „Das ist eine tolle Nummer, aber mir fehlen die Worte.“ Joachim Fuchsberger half ihm zu dichten. So entstand: Was ich dir sagen will, fällt mir so schwer, das Blatt Papier vor mir bleibt weiß und leer. (sehr erfolgreich auch in China)

Natürlich sehr bekannt: „Aber bitte mit Sahne“ oder „Ich war noch niemals in New York“

Meist spielte Jürgens mit dem Pepe Lienhardt Orchester. So auch bei einem Privatauftritt, Udo war engagiert: Die Leute wollten nicht „mitgehen“. Udo unterbrach und fragte sie: „Ich spüre, dass vom Boden keine Energie kommt, also müssen Sie jetzt entscheiden ob ich weiterspielen soll oder ob ich aufhören soll.“ Von da an sangen die Leute die Refrains mit und waren begeistert.

Begeisterungsstürme löste Jürgens auch mit dem Hit „Merci, Cherie“ aus, mit dem er 1966 den Eurovision Song Contest gewann.

Merci, Udo Jürgens, und hab es gut dort oben!

 

 

Hier Udo Jürgens´Beitrag von 1966:

 

Udo Jürgens in der Sendung „Der Mann, der Udo Jürgens ist“ (ORF)