Kultur ohne Plan – Wie soll und kann es weitergehen?

Die Kulturnation Österreich verweilt im Moment in einer Art Schockstarre. Künstlerinnen und Künstler, Intendantinnen und Intendanten, Regisseurinnen und Regisseure klagen über fehlende Jobs, Verdienstentgang, Hoffnungslosigkeit, Perspektivenwegfall.

Kunst ist systemrelevant – so der Aufruf vieler. Durch die Corona – Krise (sie wird allerorten thematisiert) ist Unvorhergesehenes passiert. Es finden nirgendwo an den Häusern Aufführungen statt. Alle geplanten Premieren mussten abgesagt oder verschoben werden. Keine Karten werden mehr verkauft, keine Abonnements vergeben. Die Kultur gleicht einer „Geisterstadt“. Oper und Theater sind geschlossen. Überhaupt kleinere Betriebe: Sie haben kaum Rücklage, haben wenig Hoffnung, überhaupt zu überleben.

Plan gibt es keinen! Auf gut Wienerisch: „Plan? Gibt´s kan!“

Immer noch wartet man im Kultursektor auf Anweisungen. Kann der Theater- und Opernbetrieb eine Renaissance feiern? Wann, wie und wo? Das erste, woran man in der Krise denkt, ist sicherlich die warme Mahlzeit und nicht die Eintrittskarte.

Wenn man an das Theater und die Oper denkt: Man hat sich fein herausgeputzt, ist mit den ebenso den Abend herbeisehnenden Bekannten in das bestellte Taxi gestiegen, hat lachend die Besetzung der Aufführung besprochen. Dann hat man an der Garderobe seinen Mantel (und vielleicht die Ernsthaftigkeit) abgegeben. Garderobengeld herausgekramt, sich vielleicht noch mal durch die Haare gefahren. Am Pausenbuffet erwartungsvoll vorreserviert. Brötchen mit Schinken, Kren, Lachs, Käse, Trauben. Dazu ein Glas Hochprozentiges, so oft geht man ja nicht. Die Sitze zugewiesen bekommen vom Platzanweiser. Den Duft von rotem Samt eingeatmet. Dicht gefolgt von den Bekannten, die das Stück alle gemeinsam genießen wollen. Lachen! Sprechen! Weinen! Husten! Applaudieren! In der Pause am vollen Buffet stehen, sich über die Schauspielkunst von XY unterhalten. „Oh, ist der heute wieder toll!“ Oder: „Ja, das hohe C ist zu beneiden!“ Und nachher: „Bussi, tschüss, so schön wars!“

Und dann kam Corona. Leise. Es überraschte den Kulturbetrieb, genauso wie die anderen. Wie sieht es jetzt aus? Sollen nur noch 100 Personen in einen Saal gelassen werden? Mit Mundschutz der Aufführung folgen (sehr schwierig bei zweieinhalb bis drei Stunden Emotion und Miterleben)? Drei Plätze freilassen? Die Frage ist: Wie soll das zukünftig aussehen. Man erlebt eine Diskrepanz: Die Gesundheit soll geschützt werden, gleichzeitig soll das Kulturerlebnis ausgekostet werden können. Kann das Wort wirklich „Abstand, Abstand und noch mal zwei Meter Abstand“ lauten?

Der/Die Schauspieler(in), der/die Sänger(in) SOLL und MUSS doch Emotionen transportieren. Dazu ist es aber auch geboten, Personen (Bühnenpartner) zu berühren, nah miteinander zu sprechen, sich zu umarmen, zu küssen und mehr. Wie sollen Dialoge aussehen, wenn sie mit großem Abstand geführt werden müssen? Denn Stücke und Opern und andere Formen sind darauf ausgelegt, dass die Individuen miteinander agieren. Dann müssten auch Bühnenpersonal, Garderobe, Maske Abstand halten.

Verpflichtende Tests (Fiebermessen) vor dem Betreten des Saales? Sind nicht die Lösung an sich. Eine begrenzte Anzahl von Personen, die eingelassen wird? Führt zur Selektion. Sollen es andere über eine Videowand sehen können, ist das vorgeschriebene Kontingent voll? Alles kostenpflichtig in das Online-Theater, die Online-Oper verlagern? Da geht wiederum das Erlebnis „LIVE“ verloren.

Zweifelsfrei muss ein Umdenken erfolgen. Es macht die Wichtigkeit deutlich, sich mit einer Sparte zu befassen, welche für die Wissensvermittlung, Unterhaltung und das Lernen des Menschen zuständig ist. Eine Kulturpartei müsste her.

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