Johann Strauss

Klang Bad Hall 2019 – die Operettenfestspiele feierten Premiere mit „Die Fledermaus“

Da kommt sie bereits in Fahrt, die Sommerfestivalsaison. Sie bedeutet: leichte Kost mit schwerer Übung, Publikumslieblinge mit kühlenden Utensilien ausgestattet. Erhitztes Premierenpublikum (von Wetter und Inszenierung). Fächern und lächeln, schwitzen und hecheln. Spaß beiseite.

Obwohl: Ernst Theis, der Intendant von Bad Hall (der sich auch offiziell so nennt), ist Dirigent und Musiksoziologe und setzt auf grandiose Spaßmacher und Sängerinnen und Sänger. Da wäre Gerald Pichowetz, der längst nicht nur mehr im Fernsehen sein Talent beweist, sondern auch immer wieder in komödiantischen Rollen an „seinem“ Theater. Er spielt, wie solle es auch anders sein, den Frosch in der „Fledermaus“. Man traut ihm die Rolle nicht nur zu, man kann sich ihn auch in den Fußstapfen des großen Otto Schenk oder des Helmuth Lohner, die diese Rolle verkörperten, vorstellen. Dienstkappe und entrückter Blick, „entglittenes Kurzzeitgedächtnis“, all das sind Pointen an sich. Pichowetz wird wissen, wie man sie am besten ausspielt.

Dann braucht es Sängerinnen und Sänger, die ihr Handwerk – oder besser ihr Mundwerk – verstehen. Dazu zählen Sophie Klussmann als Rosalinde, Rita-Lucia Schneider als Prinz Orlowsky, Romana Amerling als Adele, Eugene Amesmann als Gabriel von Eisenstein, Laszlo Maleczky in der Rolle des Gesangslehrers Alfred, Marco Di Sapia als Notar Dr. Falke, Kammersänger Josef Forstner als Gefängnisdirektor Frank.

Gerald Pichowetz führt bei der „Fledermaus“ Regie. Sie findet ihre Aufführung in wienerischem Dialekt und – oh Überraschung – es wird auch Haut gezeigt. Das ist selbstredend nicht das Wichtigste, doch für Witz und ein Prickeln ist auch so gesorgt. Eine enorme Bereitschaft zu spielen wird den Darstellern abgerungen, auch innerhalb ihrer Rollen. Das sieht man am Beispiel von Alfred, von dem Rosalinde verlangt: „Sie müssen jetzt mein Gatte sein!“. Das ist freilich wieder eine augenzwinkernde Herausforderung, wie sie vielleicht auch im wahren Leben vorkommt… So bleibt der Stoff aktuell, auch lange nach 1874, dem Entstehungsjahr.

Info:

Operette in Bad Hall – Klang Bad Hall 2019, Intendanz: Ernst Theis

„Die Fledermaus“ von Johann Strauss

Regie: Gerald Pichowetz

Bühne: Ina Reuter

Kostüme: Gilles Gubelmann

Spieltermine: von 14. Juni – 14. Juli 2019

Kartenbestellung: http://www.klangbadhall.at/tickets – Hier kann man sich auch auf einen spannenden „Dreier“ einlassen!

Schlichtheit, gepaart mit Temperament und Eisläufern – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017

 

Wir schreiben das Jahr 2017 und der Kulturpavillon schreibt mit Leidenschaft wieder die alljährliche Rezension über das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Das wohl berühmteste Konzert der Welt wird in über 90 Länder per TV übertragen und ist heiß erwartet und beliebt. Auf der ganzen Welt haben sich Fan-Gruppen zusammengeschlossen, die sich intensiv auf den 1.1. des Jahres vorbereiten. Wohl auch in Venezuela, der Heimat des diesjährigen Dirigenten, des (erst) 35-jährigen Gustavo Dudamel.

Nach dem ersten Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“, nämlich dem sogenannten „Nechledil-Marsch“ (Lehár), welcher nicht gerade ein besonderes Glanzstück des famosen Komponisten darstellt, durfte man sich von diesem Konzert noch weitaus mehr erwarten. Lehár schrieb quasi eine Operette nach der anderen, viele davon als richtiggehende Welt-Hits, so wie die „Lustige Witwe“, deren Melodien wohl ein jeder, der Musik im Entferntesten mag, schon einmal gehört hat.

Im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, prächtigerweise dieses Jahr sogar mit einigen Südfrüchten geschmückt, waren die Wiener Philharmoniker schwelgend in einer fantastisch ausgewogenen Version von Emilé Waldteufels „Les Patineurs“ oder auf Englisch „Skater´s Waltz“ (op. 183). Fein ziseliert die Passagen vorgetragen, kam nicht nur Dudamel selbst ins Schwärmen. Zum Weinen schön! Waldteufel war, wie bereits im vorigen Jahr nebst „Espana“, ein Konkurrent der Strauß-Dynastie, welcher in ähnlichem Stil komponierte.

Gustavo Dudamel ist mit seinen 35 Jahren der jüngste Dirgent in der Geschichte des Neujahrskonzertes. Und man muss ihm sagen, er hat seine Sache famos gemacht. Mit einem stets wundervoll charmanten Lächeln, das noch keiner der Dirigenten vor ihm gezeigt hatte, ging er an die Stücke heran. Sein merkbares Temperament war dennoch – oder schien dennoch etwas gezügelt zu sein. Geboren wurde er in Venezuela, und gilt in seinem Land als „Symbolfigur einer einzigartigen Klassik-Bewegung“. Er erwähnte zudem, dass er schon als Baby das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Fernsehen „mitverfolgt“ habe und es nun zu leiten, eine ehrenvolle Aufgabe sei.

Weiter im Programm ging es mit der schwungvollen und ur-wienerischen Polka „S´ gibt nur a Kaiserstadt, s´ gibt nur a Wien!“ (op. 291) von Johann Strauss Sohn, das erste Stück der Strauss-Dynastie in diesem Konzert, wobei die öffentliche Meinung auseinandergeht. Die „Sträuße“ sollten doch eigentlich dieses Welt-Konzert dominieren, meinen die Einen. Die Anderen gestehen auch „Außenseiter-Komponisten“ eine große Rolle im Neujahrskonzert zu. Beide Meinungen dürften wohl heuer befriedigt worden sein.

Von Johanns Bruder Josef Strauss folgte die „Winterlust“ (op. 121) als rassige, und doch sehr entzückend vorgetragene Schnellpolka, bei welcher Dudamel  entfesselt war. Spezialeffekte wie das Zusammenklappen eines Holzblocks ließen launigerweise nicht lange auf sich warten.

„Mephistos Höllenrufe“ (op. 101), wieder von Johann Strauss Sohn, gerieten zu einem rasanten, aber ehrlich gesagt, wenig „bedrohlichen“ Szenario. Da hätte man sich mitunter ein bisschen mehr Dramatik erwarten dürfen. Ein wunderbar ausgearbeiteter Walzer, mit vielen ausdrucksstarken und auch verstrickten Motiven, den die Philharmoniker mit Akribie intonierten.

Ein kleiner „Gassenhauer“ folgte sodann, aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“, übrigens die einzige von Johann Strauss Sohn, die in Berlin (!) uraufgeführt wurde. Die Schnell-Polka „So ängstlich sind wir nicht“, (op. 413) war sehr wuchtig und angenehm schmissig gespielt, animierte beinah zum Mittanzen. Nur die im Original vortragenden Senatorsfrauen waren nirgendwo zu entdecken, aber wie deklariert, war das die Antwort der Philharmoniker auf den vorangegangenen Walzer.

Im zweiten Teil des Neujahrskonzertes fand man drei große Walzer, eine prächtige Ouvertüre sowie Polkas und sogar wieder eine Quadrille, nach einigen Jahren.

Die Ouvertüre zu einer eher selten gespielten Operette von Franz von Suppé, „Pique Dame“, in welcher sich alles um Liebe, Wahrsagerei und Kartenlegen dreht, wurde zu einem fulminanten Meisterwerk, die fein gesetzten Einsätze der Musiker, die Atmosphäre dieses Musikstückes, sehr gut ans Publikum transferiert. So lässt es sich trefflich feiern.

Auch ein weiterer, wunderbarer Komponist fand Eingang in das Programm des Konzertes, der Wiener Carl Michael Ziehrer, der mit seinen über 600 Kompositionen wichtig für das Kulturleben der Stadt war. Von ihm hörte man mit mächtiger Inbrunst vorgetragen den populären Konzertwalzer „Hereinspaziert!“, welcher schon bis auf Kreuzfahrten vorgedrungen ist. Mit seiner anspruchsvoll langen Spieldauer von acht Minuten stellt dieses Werk eine Herausforderung der leichten Muse dar. Es handelt sich dabei um Opus 518 aus der Operette „Der Schätzmeister“. Mit wechselnden Passagen, die doch immer so leicht klingen müssen, als rutschten sie förmlich von der Violine, überzeugten die Musiker auch hier auf ganzer Linie.

Einen prominenten Auftritt hatte bei der nächsten Gelegenheit der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, unter der Leitung von Johannes Prinz. Die Damen und Herren intonierten den „Mondaufgang“ aus Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ im Chor. Ein zu Herzen gehender Effekt hierbei: Es wurde einerseits von der Orgel aus ein silberner Staub ins Publikum geblasen, und andererseits wurden Kirchenglocken imitiert. Ein Erlebnis, zumal mit Otto Nicolai der Gründer der Wiener Philharmoniker bedacht wurde.

Die exquisit schöne Tänzerin Pepita d´Oliva wurde von Johann Strauss Sohn mit einer eigenen Polka beschenkt, simplerweise der „Pepita-Polka“ (op. 138), zu diesem Anlass kamen Kastagnetten zum Einsatz. Ein „Kleinod“, aber recht sinniges und auch stimmiges Juwel der Sträuße.

Es folgte eine mit Spannung erwartete Quadrille, und zwar die „Rotunden-Quadrille“ (op. 360) von Strauss Sohn. Diese wurde anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien komponiert, und rankte sich rund um einen nicht fertiggestellten Prachtbau in Wien. Auch diese geriet recht temporeich und sehr aufwiegelnd, im nächsten Moment aber wieder besänftigend.

Eine für den Juristenball geschaffene Komposition folgte auf dem Fuß: „Die Extravaganten“, (op.205) ein genau durchkomponierter Konzertwalzer von Strauss Sohn, wurde wieder höchst melodisch umgesetzt. Extravagant waren da Ton und Takt.

Eine Tänzerin des Wiener Staatsballetts, Liudmila Konovalova, hatte ihre Neujahrskonzert-Premiere und war entsprechend motiviert und aufgeregt. Bravourös meisterte sie auch schwierige Passagen.

Johann Strauss Vater komponierte den „Indianer-Galopp“ (op.111), der einen etwas irreführenden Namen trägt. Es waren nämlich damals indische Tänzer zu Besuch, zu deren Ehren dieses Werk entstand. Das rascheste Stück dieses Neujahrskonzertes, wo die Philharmoniker und Dudamel alles auf den Tisch legten.

Ein entzückendes Werk, thematisch angesiedelt in der Region Semmering-Rax in Niederösterreich, präsentierten die Wiener Philharmoniker mit Josef Strauss´ schwärmerischer Polka mazur „Die Nasswalderin“ (op. 267). Eine ähnliche Struktur wie bei seinem „Hit“, der „Libelle“, war nicht abzusprechen.

Eine resche Schnellpolka seines Bruders Johann Strauss folgte, zu der eine Tanzeinlage von sechs Studierenden der Ballettakademie geboten wurde: „Auf zum Tanze“ (op. 436), wirklich melodiös. Die Bekanntheit dieser Polka dürfte nicht zu Weltrang reichen, doch hörenswert ist sie allemal. Musiziert wie „Butter“ und genauestens abgestimmt auf die Tänzerinnen und Tänzer, die sich feudal im Goldenen Saal drehten.

Auf einen großen Walzer (Spieldauer: 8 Minuten 30 Sekunden) konnte man sich mit „Tausend und Eine Nacht“ (op.346) nach Motiven der Operette „Indigo und die vierzig Räuber“ (J. Strauss Sohn) einstellen. Hier hatten vor allem die Klarinetten (wie etwa Ernst Ottensamer) viel zu tun. Fein, mit großen, ausladenden Bögen und anregend zu lauschen!

Eine wohlbekannte Polka, zu der auch immer die Hauptfiguren aus Strauss´ „Fledermaus“, Eisenstein und Rosalinde, „leiden“,  rundete den offiziellen Teil des Neujahrskonzertes ab. Man gab die „Tik-Tak Polka“ (op. 365). Irgendwo spielen sie sie immer, net woar. Kompliment an die Philharmoniker und Dudamel, dass sie aus diesem Moment etwas Besonderes machten!

Eine hübsche Zugabe mit einem bei diesem Konzert unterrepräsentierten Strauss-Bruder, nämlich Eduard, stand im Raum. Letztes Jahr wurde er noch etwas mehr „gewürdigt“. „Mit Vergnügen“ (op.228) lautete diesmal sein Beitrag. Eine kleine Polka, die die Zuhörer mitriss, ehe…

…das „Geburtstagskind“ des heurigen Jahres zu seinen Ehren kam. Der „Donauwalzer“, oder wie er ganz streng, korrekt bezeichnet wird: „An der schönen blauen Donau“ (op. 314), feierte seinen 150. Geburtstag. Dudamel, ganz aufgeregt, legte sich sehr hinein und hatte den ganz pflichtbewussten, aber auch locker-melodiösen Zugang.

Den Abschluss bildete wie immer der „Radetzky-Marsch“ (op. 228), welchen Dudamel sehr exakt haben wollte und das Publikum nicht nur zum „Forte“- Mitklatschen, auch zu dem folgenden Begeisterungssturm brachte.

Bravo, Gustavo Dudamel, zu dieser Premiere!

 

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Vorschau auf den Steyrer Sommer.

Musikfestival Steyr. Oberösterreich

Nachdem man beim Musikfestival Steyr (Intendanz Kons. Karl-Michael Ebner) sehr lange überlegt hat, wurde am Montag bei einer Pressekonferenz in Linz die Besetzung für die heurige Sommer-Operette „Wiener Blut“ in der Regie von Mag. Susanne Sommer endlich bekanntgegeben. Volksopern-Namen und Youngsters sind zu finden, die Kostüme muten bei einer ersten Kostprobe sehr klassisch an.

Die Operette „Wiener Blut“ spielt bekanntermaßen zur Zeit des Wiener Kongresses, auf welchem sehr viel getanzt wurde. Demnach wurde das Europaballett St. Pölten nach Steyr engagiert, und die Kostüme halten sich – zumindest dem ersten Eindruck nach zu urteilen – auch an diese Zeit.

Als „deutschen“ Fürsten Ypsheim-Gindelbach wird man Kammersänger Josef Luftensteiner (bereits oft in Steyr in tragenden Rollen wie in Evita, Fledermaus etc. zu hören) erleben können. Als Gabriele Gräfin Zedlau dessen Bühnen- und Lebenspartnerin (Ehefrau)  Martina Dorak. Den Balduin gibt der ambitionierte, ebenfalls Steyr-erprobte Volksopern-Liebling Vincent Schirrmacher. Josef ist mit Michael C. Havlicek (ebenfalls Volksoper Wien) reizend besetzt. Ob eine Franziska Cagliari in ihr steckt, wird die Volksopern-Adele Beate Ritter zeigen. Als ihr Vater Kagler mit dem „Ringelspüh“ tritt der bühnengeeichte Josef Krenmair auf. Das „Klärchen“ vom „Weißen Rössl“ 2015, Lisa Greslehner, wird sich als Pepi diesmal die Ehre geben. In kleineren Rollen (Bitowski – etwa statt Metternich?!) sind Ewald Reiter und als Anna Rita Nikodim zu sehen.

Premiere ist am 28. Juli um 20:30 im Schlossgraben des Schlosses Lamberg in Steyr. (Open Air). Bei Schlechtwetter weicht man in das Stadttheater aus, hier findet allerdings dann in diesem Fall eine halbszenische Aufführung statt.

Neben der Haupt-Operette bietet das Musikfestival Steyr in Oberösterreich auch ein Kinderstück „Die Kristallkönigin“, sowie eine Kindertheaterwerkstatt unter der Leitung von Pili Celar, Pädagogin, die extra für das Festival das Kinderstück „Wiener Würstchen“ schrieb, um das Interesse für das Theater zu wecken. Dieser Workshop findet von 25-30. Juli statt und kostet 59 Euro. Die Aufführung (des erarbeiteten Stückes) der Kinder findet am 30. Juli um 16:00 im Alten Theater Steyr statt.

 

Weitere Informationen unter:

http://www.musikfestivalsteyr.at

 

 

Ha, welch ein Fest, welche Nacht voll Freud´, Facebook, Mailbox, Seligkeit! – Die Fledermaus in Steyr

Musikfestival Steyr

Stadttheater Steyr

 

Derniere der „Fledermaus“ von Johann Strauss im Stadttheater Steyr

Ursprünglich hätte man ja im Schlossgraben des Schlosses in Steyr gespielt. Leider machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Aber auch im Ersatzspielort, dem Stadttheater, konnte man die Fledermaus genießen. Etwas sorgte vorab für Unverständnis: Denn wenn man noch nicht wusste, dass im Stadttheater anstelle von Open Air gespielt wird, pilgerte man natürlich einmal zum Schlossgraben. Wenn die Mitarbeiter aber ohne Kenntnis darüber sind, wo sich das Stadttheater denn eigentlich befindet, ist das schlecht. Aber wie schon vorhin gesagt, man konnte der Operette genussvoll lauschen. Alle Besucher hatten das Theater schließlich gefunden.

Johann Strauss gefällt dein Foto. Das sagt schon Einiges. Dieser Facebook-Schmäh ist Teil der modernen, ausbalancierten Regie von Susanne Sommer, die sich in dieser Saison beim Musikfestival Steyr betätigt. Keinesfalls fällt diese zu modern aus. Denn die Texte werden original beibehalten, wenn auch stark auf eine recht angenehme Länge gekürzt. Die musikalische Leitung liegt bei Siegfried Andraschek. Es ist ein neues Arrangement für Bläser, Kontrabass und Pauken. Es hört sich aber nahezu keinen Moment dünn an.

Alfred, leger und lässig verkörpert von Tenor Vincent Schirrmacher, ruft seine Angebetete Rosalinde mit dem iPhone an und spricht ihr das „Täubchen“ auf die Mailbox. Auch spätere Arien werden vom iPhone meist gewollt unterbrochen. Die fitte, agile Rosalinde kommt gerade im Jogging-Outfit vom Sport. In den Händen ihres Gatten Gabriel von Eisenstein ist sie nur zum Schein Wachs, sehnt sie sich doch nach einem Date mit Alfred. Die beiden Hauptrollen sind mit Sopran Martina Dorak als Rosalinde und Bariton Daniel Serafin (Debüt als Eisenstein) sehr unterschiedlich besetzt. Während die Dame stimmlich stellenweise einige Schwächen zeigt, zum Beispiel beim Beschließen der Arie „Klänge der Heimat“, kann der Herr des Hauses Eisenstein seine junge, flexible Bariton-Stimme einsetzen. Ist die Rolle eigentlich für einen Tenor geschrieben, der Bariton überzeugt im Ganzen. Natürlich ist noch Gelegenheit für den einen oder anderen Feinschliff. Dieser Eisenstein lässt stimmlich nichts vermissen und stimmt hoffnungsfroh für Weiteres. Eine stylische Hose mit Goldstreifen und Converse (Kostüme: Caterina Visconti) runden das Bild eines modernen Lebemannes ab. Rosalindes an sich sehr hübsches zartblaues Kleid wird durch den monströsen ungarischen Kopfschmuck im 2. Akt ein wenig abgewertet. Auch die Fledermaus-Brille statt der traditionellen Maske ist keine ganz elegant-glückliche Lösung.Als sie vollmundig verkündet: „Leck Dreck weg von Essbesteck!“, gibt es laute Lacher im Publikum. Recht erotisch geht es beim Fest des Prinzen, als Life-Ball inszeniert, zu. (Wenn man den rechten Bühnenrand beachtet hat, sah man Statisten in eindeutigen Posen). In Punkto Eleganz zeigt sich Bariton Josef Luftensteiner als kalauernder Gefängnisdirektor Frank auf der Bühne recht gut. Gesanglich auch. Als Eisenstein und Frank das Fest verlassen, haben sie nur zu singen: „Meinen Hut, meinen Hut, s´ist die höchste Zeit!“. Wo ist da bloß der „Rock“ geblieben?

Rafael Fingerlos als Dr. Falke singt sogar das „Brüderlein“ in einer Karaoke-Version. Schön besetzt ist die Adele mit Sopran Beate Ritter im roten Seidenkleid, die immer tief Luft holt, bevor sie sich zu den höchsten Tönen aufschwingt. Die beste Adele Österreichs neben Daniela Fally. Als Orlowsky sieht man den blutjungen Alois Mühlbacher mit der markanten Sopranstimme. Wenn man vom Schauspielerischen ein wenig absieht, ist die Stimme für die Rolle passend. Als Frosch macht Schauspieler Josef Krenmair eine gute Figur. Das Kostüm sowie der Slibowitz als Requisite sind stilecht. Originell die Einspielungen der Gefängniszellen im 3. Akt. So konnte man sehen, was die Figuren in den Zellen treiben.

Eine ganz neue Interpretation ist es insgesamt geworden. Die gefiel! Es applaudierte und jubelte das Publikum minutenlang begeistert.

-MK-

 

Link:

http://www.musikfestivalsteyr.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oje, oje, wie rührt denn das?

Lyric Opera of Kansas City. USA                                                                                                                            Mai 2014

 

Die Lyric Opera of Kansas City  in den Vereinigten Staaten versucht sich an einem Strauss-Klassiker.  Es ist die wohlbekannte „Fledermaus“, eine „hilarious operetta.“ Das Publikum erwarten laut Veranstalter „Mistaken identities and lots of bubbling champagne“, also „verwechselte Identitäten und eine Menge prickelnder Champagner“. Man bringt eine satirische Darstellung der damals modernen (man spricht vom Jahr 1874!), dekadenten Gesellschaft.

Der junge Sänger Liam Bonner gibt den Eisenstein. Er verfügt über eine flexible Stimme, ein „beautiful instrument“. Das stellt er auch unter Beweis. Die schwierige Partie wird von ihm erkämpft, manchmal fehlt der Ausdruck des lustvoll aufbrechenden Ehemannes aber. Rosalinde, seine Frau, wird von Kelly Kaduce sehr zart verkörpert. Die Stimmen ergänzen sich. Der Tenor Gordon Gietz wechselt von seiner früheren Rolle des Eisenstein nun zum feurigen Liebhaber Alfred. Keine schlechte Idee, wie sich herausstellt. Und auch in dieser Produktion ist der Prinz Orlofsky eine Dame: Joyce Castle singt die Hosenrolle entzückend schön.

Das Orchester wird gut geführt von Ward Holmquist. Die bekannte Ouvertüre in A-Dur gelingt.

 

-Martina Klinger-

Bild-Copyright: Lyric Opera of Kansas City

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

This Review in English:

The Lyric opuses of Kansas city in the United States tries a Strauss’s classic. It is the well-known „bat“, „hilarious operetta.“ The audience expect according to organizer „Mistaken identities and lots of bubbling champagne“, so „mistaken identities and an amount of tingling champagnes“. One brings a satirical representation then modern (one speaks of 1874!), decadent society.

The young singer Liam Bonner is Eisenstein. He disposes of an adaptable voice, „beautiful instrument“. He also proves this. The difficult part is won by him, however, the expression of the with relish opening husband is sometimes absent. Rosalinde, his wife, is embodied by Kelly Kaduce very softly. The voices are complementary. The tenor Gordon Gietz changes from his former role of Eisenstein now to the igneous lover Alfred. No bad idea, as turns out. And also in this production the prince Orlofsky is a lady: Joyce Castle sings the breeches part delightfully nicely.

The orchestra is behaved by Ward Holmquist. The known Ouverture succeeds in A

-Martina Klinger-

 

Sittlich-feuriger Mörbisch-Klassiker

Seefestspiele Mörbisch 2011                                      TV-Kritik

Ein Strauss-Klassiker, der – so könnte man meinen – perfekt in die Landschaft rund um die burgenländische Seebühne passt, ist Der Zigeunerbaron. Der Titelheld wird von der Frau nur akzeptiert, wenn er ein Baron ist. Mindestens. Er wird es auch, allerdings geht die Geschichte bekanntlich anders aus, als erwartet.

Die Regie (Brigitte Fassbaender) fasst die Darsteller und Darstellerinnen stellenweise nicht gerade mit Samthandschuhen an. So muss etwa Mirabella auf dem Bühnenboden robben, bevor sie von ihren Abenteuern bei einem türkischen Pascha erzählt. Alles in allem jedoch zeichnet die Regisseurin ein abenteuerliches Bild der Atmosphäre und streicht die stringente Handlung hervor. Die musikalische Leitung liegt bei Manfred Mayrhofer, der eher sensibel als draufgängerisch zur Sache geht.  Das Bühnenbild von Rolf Langenfass ist wandelbar und zeigt etwa im 1. Akt das Haus des Zsupan mit der nett auf Ungarisch gestalteten Aufschrift „Kálmán Zsupan Diszno Tenyeszet es Husgyar“ was soviel heißt wie „Schweinezucht und Fleisch Kálmán Zsupan“.

Nun, Sándor Barinkay, der nun die Güter seines Vaters übernehmen soll, wird auf eine impulsive Art und Weise dargestellt von Lucian Krasznec. Der junge Tenor holt sich die Spitzentöne heraus und stilisiert sie. Auf eine gute Nachbarschaft mit dem Schweinezüchter Zsupan (imposant und auf dem Kopf mit einem Schwein bemalt: Wolfgang Bankl) hoffend, schlägt er die Hochzeit mit dessen Tochter Arsena (etwas zu grell gesungen von Iva Mihanovic) vor. Saffi schließlich, als seine wirkliche Auserwählte, kann sich recht profilieren. Die Sopranistin Evelin Novak zeigt in dieser Rolle ihr vokales Können. Schwach bleibt der Ottokar von Gernot Heinrich, der aber schauspielerisch mehr punkten kann. Die strenge Sittlichkeit verkörpert als honoriger Conte Carnero mit gestrenger Härte und wachsamem Auge Harald Serafin. Das amüsante, hier dreistrophige Sittenkommissionscouplet mit aktuellen Themen wie Arnold Schwarzenegger oder Silvio Berlusconi ist zweifelsohne ein humoriger Höhepunkt der Operette. Die „alte“ Zigeunerin Czipra wird von Monika Bohinec mit einem mittelmäßigen Mezzosopran brav, in einem Pelzmantel und Kriegsbemalung interpretiert. Als hartherziger „Werber“ zieht Daniel Serafin ein, auf einem Wagen mit Holzfass stehend. Stimmlich geht er mit dem kräftig-sensitiven Bariton voll in der Rolle auf, darstellerisch ist er von diesem Kriegsmann nicht ganz so überzeugt. Eine köstliche Nebenrolle ist auch die Mirabella, von Linda Plech als eine lebenslustige ältere Frau, die immer wieder ein Auge auf Zsupan wirft, gezeichnet.

Aufführung der Seefestspiele Mörbisch 2011

-Martina Klinger-

Wenn die Gondeln Spaß vertragen

Volksoper.Wien                                                        10. Jänner 2014

Hinrich Horstkottes Neuinszenierung der Strauß´schen Operette „Eine Nacht in Venedig“ ist  ganz im Stil der „Commedia dell´ Arte“ gehalten. Alles ist bunt und launig. Unterwasserwelten laden das Auge zum Verweilen ein. Stimmlich ist das Werk gut besetzt, etwas Luft nach oben gibt es jedoch.

Der Regisseur geht hier auf Nummer sicher und verlässt sich voll und ganz auf die Wirkungskraft des frechen, frivolen venezianischen Treibens. An manchen Stellen wirkt der eingebaute Klamauk jedoch überzeichnet. Künstliche Wellen, die sich hin und her bewegen, sowie üppiges Brusthaar machen einen eher unrealistischen Eindruck. Doch an Lustigkeit und heiterem Herumhüpfen wird nicht gespart.

Sowohl auf Makkaroni als auch auf weibliche Reize hat hier die Hauptfigur, der Herzog von Urbino (Vincent Schirrmacher) Appetit. Schirrmacher im futuristisch anmutenden Kostüm mit runden Brillen legt die Rolle locker an, stimmlich ist er gut vorbereitet. Für die Makkaroni des Abends, frisch gekocht, sorgt Pappacoda (Michael C. Havlicek), der gerne Leibkoch des Herzogs werden würde. Fast würde man meinen, Pappacoda koche neuerdings mit Zahnlücke, aber immer noch mit viel amore. Auch Havlicek sorgt stimmtechnisch gesehen für Harmonie, das Kostüm ist mit Querstreifen schon gewöhnungsbedürftig. Bis er seine Ciboletta (Johanna Arrouas), die nicht gerade mit dem Höchstmaß an Intelligenz gesegnet ist, in die Arme schließen kann, vergeht einige Zeit. Diese vertreiben sich inzwischen Caramello, der Leibbarbier des Herzogs (Jörg Schneider) und Annina (Mara Mastalir). An beiden ist in punkto Darstellung und Stimme nichts auszusetzen. Die drei Senatoren Delaqua, Barbaruccio und Testaccio (Wolfgang Hübsch, Franz Suhrada und Gerhard Ernst) möchten ihre Gattinnen vor dem Schlimmsten, nämlich der Schmachterei des Herzogs, bewahren. Das bewerkstelligen sie mit Getöse und komisch anmutenden, weißen Perücken. Und sie kämpfen um eine gute Stelle beim Herzog. Was an sich ja nett ist. Die drei Herren verleihen der soliden Operette ein wenig mehr Biss, doch ganz reicht das nicht.  Es ist eine brave, allzu klamaukhafte Produktion. Solider Gesang und ein motiviertes Orchester, sensibel geführt von Alfred Eschwé, fügen sich ein.

-Martina Klinger-

Links:

http://www.volksoper.at