Kulturpavillon-Kommentar: Des Froscherl vom Silberschneider is do

Zum Jahreswechsel 2023/24 konnte man an der Wiener Staatsoper – ob nun live oder im Fernsehen, auf ORF III – das vielgeliebte und traditionelle Werk „Die Fledermaus“ von Johann Strauß sehen. Der 31.12., ein magisches und auch bisweilen kritisches Datum. Warum? Weil Bilanz gezogen wird, weil gefeiert wird, weil gelacht und geweint wird. Aber bei einer urwienerischen Figur, da scheint wohl die Zeit in gewisser Weise stehen geblieben zu sein. Das Froscherl – oder korrekt ausgedrückt: Gefängnisdiener Frosch (gibt es seit geraumer Zeit auch in weiblicher Form). Dieser begleitet jährlich die wohl unentschlossenste Zeitspanne, die es gibt. Glück im Seitenwechsel hat diese Figur allemal: Bei ihm gibt’s auch immer nach dem 31. den 32. Dezember. Lustig für einen Moment, aber danach recht aussagekräftig: Beim Umblättern des Kalenders lacht das Publikum, wie es vorgesehen ist, obwohl jedermann bereits den „Kalauer“ kennt. Dieser 32. Dezember, er hält die Zeit für einen Moment an. Auf die Uhr – wie vorher in dieser Operette Rosalinde und Eisenstein – braucht man da gerade nicht zu schauen. Frosch wird also zum (un-)freiwilligen Einläutenden dieses „Zeitlochs“. Alle wissen genau, die Uhr bleibt in Wahrheit nicht stehen, es ist bald der 1.1.. Vielleicht hilft aber der Fantasiekalender, es nicht ganz so genau zu nehmen. „Es ist eh noch Zeit bis zum nächsten Jahr!“

Man konnte aktuell (wieder) den bekannten Schauspieler Johannes Silberschneider in dieser Rolle betrachten. Mit schiefem Dienstkapperl, Handschellen und Schnapsflasche agierte er rollentypisch. Natürlich singt er nicht, denn er „hat eine Sprechrolle.“ Eine humoristische „Zwischenebene“, die immer auch für Lacher sorgt. Wie man von Herrn Silberschneider gewöhnt ist, denn er ist oft im Fernsehen zu sehen. Man bekam auch durchaus den Eindruck, dass er sich bemühe, der Rolle gerecht zu werden, indem er womöglich versuchte, allzu betrunken und weltfremd zu wirken, nur um im nächsten Moment „aktuelle“ Späßchen zu machen. Allzu laut, polternd oder Aufmerksamkeit heischend war seine Interpretation nicht. „Irgendwie anders“, so könnte man zusammenfassen. Ein Mann, der sonst in wilden Krimis (Blind ermittelt) einen perfiden Liebhaber von auf Schallplatten aufgenommenen Todesschreien junger Damen mimt, ist plötzlich als „unschuldiges besoffenes Froscherl“ zu sehen. Ein bisschen zu viel an Rein und Raus bei der Tür, durchaus akrobatisches Klettern hoch zum Kaiserbild, wo er Schnapsnachschub besorgt, keine besondere Rauheit, und auch keine besondere Schlauheit. Eben irgendwie „anders“ und dezent.

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