Rezensionen SPRECHSTÜCK

Hier finden Sie Rezensionen von tollen Sprechstücken in Wien und international

Sommertheateredition Premieren-Donnerstag: „Don Giovanni – DER LETZTE MANN“ im Wiener Lustspielhaus

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Adi Hirschal als „Don Giovanni“ (c) Wiener Lustspielhaus

 

 

Lustspielhaus AM HOF

Wien

Der tragische und doch irgendwie komische Stoff der Mozart-Oper „Don Giovanni“: Ein frauenverschlingender (nicht im kannibalistischen Sinn!) Titelheld. Kann er heute als Held bezeichnet werden? Das bleibt wohl fraglich. Zumal ihm im Original am Ende die Höllenfahrt droht. Aus diesem klassischen Stoff machte das Team um Intendant Adi Hirschal im Wiener Lustspielhaus sein ganz eigenes Stück und nennt es: „Don Giovanni – DER LETZTE MANN“. Sie lassen eine ganz andere Umgebung das Jagdgebiet sein: Die Modebranche.

Don Giovanni (verkörpert von Adi Hirschal) hat hier den Anschluss an die junge, hippe Modewelt verloren und die Umsätze des Unternehmens „Da Ponte“, dessen Chefdesigner er ist, gehen zurück. Zugegeben, es ist eine gewagte Mischung, die hier präsentiert wird. Hirschal spielt jedenfalls den Modedesigner mit großer Lust und kehrt so ziemlich alle Facetten heraus. Inklusive der Attitüde. Den reifen Peter Lodynski mit einer Spitzen-Frisur zu sehen, erheitert schon per se. Als Eigentümer des Modehauses blödelt und spielt auch er sich durch den Abend. Bei der Präsentation der neuen Kollektion soll Don Giovanni schließlich durch den viel jüngeren Verlobten der Tochter des Eigentümers ersetzt werden, da er den Zeitgeist nicht mehr trifft (Die beiden Turtelnden werden achtbar verkörpert von Sylvia Haider und Florian Haslinger). In weiteren Rollen der Zerlina, Donna Elvira und Masetto finden sich zur Freude des Ensembles noch Gabriele Schuchter als wuchtige Operndiva, Nikolaus Firmkranz als Masetto und als Leporello Gottfried Neuner.

Die stellenweise etwas lange und dennoch flotte Regie führt Hirschal selbst, musikalische Leitung liegt bei Thomas Mahn, und die Kostüme designte Maddalena Hirschal.

Info:

Wiener Lustspielhaus

„Don Giovanni – Der letzte Mann“

Gespielt wird bis 03. September, jeweils 20 Uhr

 

Das Lustspielhaus bietet in der heurigen Saison aber nicht nur „Don Giovanni“ an, sondern auch Spezialabende mit Wolfgang Böck & Adi Hirschal „Strizzilieder“, Erika Pluhar & Adi Hirschal „Miteinander“, eine Veranstaltung mit Fritz Karl uvm.

http://www.wienerlustspielhaus.at

Premieren-Donnerstag: Die kleinen Füchse/Theater in der Josefstadt

Theater in der Josefstadt

Wien

Mit dem Erfolgsstück „Die kleinen Füchse“ wurde die gebürtige Amerikanerin Lillian Hellman bekannt und zu einer der erfolgreichsten Theater- und Drehbuchautorinnen der 1940er Jahre. Ihr Stück lief jahrelang am Broadway, und der parallel dazu gedrehte Film erhielt neun Oscar-Nominierungen. Das Theater in der Josefstadt hat sich dieses Stoffes nun angenommen. Am Donnerstag, 14. April, feierte das Stück seine Premiere.

Die Darstellung einer Familie samt ihrer dramatischen Entwicklungen steht hier im Vordergrund. Es handelt sich um ein bitteres, sarkastisches Familiendrama aus dem Süden der Vereinigten Staaten und basiert auf psychologischem Realismus. Die Fabrikantenfamilie Hubbard plant eine Beteiligung an einem großen Unternehmen. Doch es fehlt Geld. Die beiden geldgierigen Brüder wollen Hilfe von ihrer Schwester, die mit einem herzkranken, schwerreichen Mann verheiratet ist, den sie jedoch hasst. Sie sichert ihnen Hilfe zu und beginnt ihren Mann nach langer Zeit wieder zu umgarnen, mit dem Ziel, an sein Geld zu kommen.

Inzwischen kommt den Brüdern eine bessere Idee: Sie heuern den Sohn des jüngeren Bruders an, die Aktien des schwerreichen Mannes zu stehlen, und sie für eine gewisse Zeit zu benutzen. Die Schwester, „nutzlos“ geworden, erpresst nun ihre Brüder, da sie unbedingt in den Betrug mit eingebunden werden wollte.

Sie will nun über den Ehemann ihre Brüder ans Messer liefern, indem dieser gestehen soll, dass sie Betrüger sind. Doch der Mann steht auf der Seite der Brüder und auf jener vom Sohn des jüngeren Bruders. Er erleidet jedoch einen Herzinfarkt und seine Ehefrau geht bis zum Äußersten: Sie verweigert ihm die lebenswichtigen Medikamente. Er soll die Brüder erst als Betrüger entlarven. Doch sein Hass auf die Ehefrau ist viel größer und so stirbt er. Auch die Tochter der Ehefrau wendet sich erschüttert ab und sie bleibt als die „Böse“ einsam.

Dass sie sich in den „bösen“ Rollen sehr wohlfühlt, beweist wieder einmal Sandra Cervik sehr eindrucksvoll. Ihre Regina Giddens ist voller Wut und Abgründe, und man mag sich fragen, wo sie denn diese negative Energie im Stück herholt, ist doch ihr Partner im wahren Leben, der virtuos aufspielende Herbert Föttinger, in „Die kleinen Füchse“ ihr verhasster Ehemann Horace. Wie kann man sich auf der Bühne hassen, wenn man sich im wahren Leben liebt? Auch das geht im Theater. In den Rollen der beiden Brüder sind die ambitionierten Schauspieler André Pohl und Tonio Arango zu sehen. Die Newcomerin Alma Hasun (begeisterte schon in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ oder „Schon wieder Sonntag“) spielt Tochter Alexandra, die sich mit Grauen von der Mutter abwendet. Matthias Franz Stein ist als intriganter Sohn Leo zu sehen, auch er gibt alles. Insgesamt ist die Besetzung eigentlich sehr harmonisch, ein bitterböses Klima können die Schauspieler hervorragend erzeugen. Als „Sidekicks“ treten noch Salka Weber, Martina Stilp und Roman Schmelzer auf.

Ein böser, zynischer Abend, sehr gut umgesetzt.

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Auf einmal verheiratet – „Der Gockel“ (G. Feydeau)/THEATER IN DER JOSEFSTADT

Wien

Theater in der Josefstadt

Der vielbeachtete „Gockel“, eines der eher verworrenen Stücke des Komödienschreibers Georges Feydeau, fand seinen Weg auf den Spielplan des Theaters in der Josefstadt. Drei Ehepaare, eine freiberufliche Kokotte (was mag man sich heute darunter vorstellen) und ein Junggeselle. Und natürlich hängen, sonst wäre es ja langweilig, alle irgendwie miteinander zusammen. In der Regie von Josef E. Köpplinger wird sogar „aus künstlerischen Gründen“ geraucht. Sympathisch, dass dies extra erwähnt wird.

Feydeau meinte über sein eigenes Werk, dass er beim „Komponieren“ der Zutaten eigentlich keine entfesselnde Freude empfinden würde. Sein „Zusammenrühren“ würde eher der nüchternen Arbeit eines lange im Geschäft verharrenden Apothekers gleichen: Eine Prise Verwicklung, Pikanterie, Beobachtung, ein Quäntchen Heimlichtuerei. Das alles würde dazu beitragen, dass das Werk schlussendlich unter seinem wachsamen Auge zusammenkäme.

Der eine ist seiner Frau überdrüssig, der andere hat betrogen, die nächste will betrügen. Affären, Intrigen und Geheimnisse stehen hier „ebenbürtig“ auf der Bühne. MICHAEL DANGL und ALEXANDRA KRISMER als Vatelin und Maggy Soldignac, die vor Jahren miteinander „schmusten“, geben sich auf einmal sehr bedeckt und heimlich. Sie zeichnen ausdrucksstarke Porträts ihrer Figuren. Die Damen im Spiel haben einen Joker, den sie sich hernehmen wollen: Den Junggesellen Rédillon, schüchtern aber triebhaft verkörpert von ROMAN SCHMELZER. Dieser ist aber bald von einer Liaison mit der koketten Kokotten (sehr kokett: SUSA MEYER) fix und fertig und kann so Lucienne (zuerst noch artig: PAULINE KNOF), die ihm ein unwiderstehliches Angebot macht, nicht mehr zufriedenstellen.

SILVIA MEISTERLE als Clothilde Pontignac und DOMINIC OLEY als Pontignac sind auch nur nach außen das, was sie scheinen. „Innen“ werden schon wieder neue Fäden gesponnen. Ein liebes, köstliches Pärchen geben MARTIN ZAUNER und SUSANNA WIEGAND als die Pinchards ab. Man könnte absolut sagen, ein gelungenes Stück!

Der Gockel - das Ensemble (c) Theater in der Josefstadt

Der Gockel – das Ensemble
(c) Theater in der Josefstadt

Junge und alte Liebe – VOR SONNENUNTERGANG im Theater in der Josefstadt

Theater in der Josefstadt/Wien

Der Saisonauftakt für die Saison 2015/16 scheint dem Theater mit einem schweren Stoff von Gerhart Hauptmann geglückt zu sein. Die Uraufführung des Stückes „Vor Sonnenuntergang“ fand durch die Freie Bühne im Lessing-Theater statt, und zwar am 20. Oktober des Jahres 1889. Es deutete dies auf den aufgehenden Theaterstern des Naturalismus hin. In der Fassung der Josefstadt sind die junge Schauspielerin Martina Ebm und Burgschauspieler Michael König in den Hauptrollen zu sehen.

MICHAEL KÖNIG gibt in dem Stück mit beeindruckendem mimischen und handwerklichen Können den Geheimen Kommerzienrat Matthias Clausen, der sich mit siebzig Jahren in eine um vierzig Jahre jüngere Frau verliebt. Gemeinsam mit ihr will er gegen seine Erben ankämpfen, die die elterliche Firma selbst in die Hand nehmen wollen. Inken Peters, so heißt die junge Frau, wird intensiv dargestellt von MARTINA EBM, die vollen Körpereinsatz zeigt und auf eindrucksvolle Weise ihren Standpunkt klarmachen möchte. „Das Blut gefriert einem in den Adern“. Die eigenen Kinder wollen Clausen zu einem unfreien Menschen machen, der über sich selbst nicht entscheiden kann.

Die Kinder, dargestellt von CHRISTIAN NICKEL, ALEXANDER ABSENGER, PAULINE KNOF und MARINA SENCKEL sind sich ihrer Sache bewusst: Der Vater muss aufgehalten werden. Ein riesiger Streit entbrennt.

König gibt den Machtmenschen, patriarchalisch und zuweilen unberechenbar. Die Figuren haben mitsamt ihrer Anhänsel alle ihre Abgründe. Erotische Szenen zwischen Clausen und Inken werden recht intensiv gespielt, genauso wie Meinungsverschiedenheiten. THERESE LOHNER als Inkens Mutter bemüht sich um ihre Tochter. In weiteren kleineren Rollen sind aufstrebende Schauspieler(innen) wie ANDRÈ POHL, MATTHIAS FRANZ STEIN, RAPHAEL von BARGEN und SUSANNA WIEGAND zu sehen.

Die Regie übernahm JANUSZ KICA, sehr puristische Kostüme stammen von KARIN FRITZ.

 

Prädikat: Absolut sehenswert!

 

 

Irgendwo zwischen Weingummi und Demenz – SCHON WIEDER SONNTAG in den Wiener Kammerspielen der Josefstadt

Wiener Kammerspiele der Josefstadt                                                                         Juni 2015

Die Josefstadt bringt zum 85. Geburtstag von Otto Schenk eine Tragikomödie von Bob Larbey: „Schon wieder Sonntag“. (Vorbericht Kulturpavillon: Reife Herren brauchen Bühne)

In der einfühlsamen, jedoch a bisserl langatmigen Regie von Helmuth Lohner entfalten sich Otto Schenk und Harald Serafin in den Hauptrollen als Cooper und Aylott in Höchstform.

Otto Schenk als Cooper spielt überzeugend. Körperlich ist Cooper nicht mehr so fit, was er durch einen Sturz nahe bei seinem Bett im Zimmer des Altersheimes erfahren muss. Seine Tochter Julia, gespielt von Alexandra Krismer, und ihr Mann Peter, dargestellt von Oliver Huether, müssen ihn aufrappeln. Er macht lieber schmutzige Witzchen mit „seiner“ Lieblingskrankenschwester Wilson. Diese ist wortgewaltig und doch mit einer Zärtlichkeit und Weichheit ausgestattet von Hilde Dalik. Sie kümmert sich um Cooper, motiviert ihn, empfiehlt ihm das Mittagessen (wobei sich Cooper fast immer aus Trotz für die andere Speise entscheidet), und weint sich schon einmal an seinen Knien aus. Dass sie einen Freund hat, passt Cooper gar nicht, der heimlich in Wilson verliebt ist. Die Putzorgien von Mrs. Baker (köstlich auch Susanna Wiegand) sind Cooper ebenfalls ein Dorn im Auge, weshalb sie immer schon zur Sicherheit ruft: „Guten Morgen Mr. Cooper, bin gleich wieder draußen.“ Und doch hat auch sie eine liebevolle Seite, weil sie, während Cooper gegen seine Inkontinenz kämpft, ein Liedchen singt: „Picture me upon your knee“ (Doris Day). Schenk kostet seine Rolle aus, sie ist trotz aller Tragik auch ein wenig komisch angelegt, wenn er zu sarkastischen Späßen mit Wilson aufgelegt ist. Mit ihr darf er auf der Bühne Sandwiches „mampfen“, wenn er es ablehnt, einen Bissen zu nehmen, und Wilson abbeißt, beschwert er sich sofort: „Sie lassen einen alten Mann verhungern“. Coopers Tochter Julia ist anfangs nicht sehr gut auf ihn zu sprechen, was Alexandra Krismer mit der nötigen Coolness spielt. Ihr Mann ist ein bemühter, aber unterdrückter Charakter. Oliver Huether trifft das recht gut.

Die Highlights in Coopers Dasein sind die Besuche seines Freundes Aylott. Harald Serafin zeichnet diesen Charakter stark, als einen Menschen, der sich zwar davor fürchtet, dement zu werden, aber den schleichenden Übergang nicht merkt. Einmal möchte Aylott zum Kiosk gehen, und verläuft sich in ein Industriegelände. Die schleichende Demenz ist etwas Bösartiges, und auf einmal platzt Aylott herein. Mitten in Coopers Besuchszeit, was von diesem mit einem „Jetzt platzt er in die Besuchszeit, der alte Trottel“ quittiert wird. Spät aber doch erkennt Cooper Aylotts Not, tröstet ihn mit seinen geliebten Weingummis, streichelt und stachelt ihn gleichermaßen an: Gib nicht auf, dir etwas zu merken. Die beiden gehören zusammen, auch wenn es Reibereien gibt. Während Schenk als Cooper eher schleißig ist und herumschlurft und zotige Witze macht, schreitet Serafin als Aylott wie ein englischer Sir, perfekt angezogen und parlierend, ins Zimmer.

Bei Schenk ist es die Gestik und das Herumgezeppel und Fuß-in-die-Höhe-Werfen. Der Bühnensturz ist beachtlich, er muss sich dafür ordentlich schwer machen. Anziehen, Sesselrücken und Pantoffel überstreifen sind schwer in diesem Alter, Otto Schenk stellt genau dies sehr glaubhaft dar.

Bei Serafin besticht die bemerkenswerte Mimik, vor allem gegen Ende des Stückes, wo er mit starren und ausdrucksleeren Augen den fortgeschrittenen Demenzkranken darstellt. Kraftlos, blass und hoffnungslos wirkt der Mensch Aylott, der durch Freundschaft wieder ein wenig Kraft schöpft.

Jeder überzeugt auf seine Weise in dem etwas langatmigen Stück. Besonders die Besuchsszenen von Coopers Verwandtschaft, die stark und überzeugend gespielt sind und sehr viel Kraft haben, sind leider zu sehr ausgestaltet und aufhaltend in die Länge gezogen, da hätte man schon den Rotstift ansetzen müssen.

Das Bühnenbild von Amra Bergman-Buchbinder ist karg, aber effektiv gestaltet. Eine nette Idee, dass die Darsteller beim Schlusstableau durch Coopers Wohnung gehen.

Ein starker, langer Abend.

-Martina Klinger-

Link:

http://www.josefstadt.org

Informationen:

Vorstellungen bis 21. Juni (17:00), Wegen des großen Erfolges Fortsetzung ab September.

SOMMERBühne 1: Junge Alte und die Schwester – Kultursommer Laxenburg mit „EWIG JUNG“

Kultursommer Laxenburg/Komödienspiele in der Franzensburg                                                 Juni 2015

Intendant Adi Hirschal bringt dieses Jahr ein Songdrama zur Aufführung. Dieses stammt von Erik Gedeon, dem ehemaligen musikalischen Leiter des Thaliatheaters in Hamburg und verlangt nach gesangsaffinen Schauspielern. Ewig Jung heißt die österreichische Erstaufführung. Und wie jedes Jahr geht es in Laxenburg ordentlich rund, wer ein ruhig dahinplätscherndes Stück erwartet, der wird enttäuscht. Junge „Alte“ bringen sich hier ordentlich in das Geschehen ein.

Allen voran überrascht Maddalena Hirschal als recht alte Dame, die sicherlich viel Zeit in der Maske verbringen musste. Im rosa Tweed-Kostümchen fegt sie über die Bühne, als wäre sie noch ganz jung und voller Elan. Singen, das ist so eine Sache, die das ganze Ensemble mit Leidenschaft betreibt. Die jungen „Alten“ rocken sich durch das Repertoire der 1960er bis 199oer mit Hits wie „Stayin´Alive“ oder „I will survive“. Sigrid Spörk, vielbekannt als Volksschul-Lehrerin Vivi aus dem Kinderfernsehen, gibt eine sehr glaubwürdige Krankenschwester, die den Bewohnern des zum Altenheim umfunktionierten Theaters im Jahr 2062 das Leben ein wenig schwermacht. Denn liebevoll bis sehr streng will sie die „Belegschaft“ dazu motivieren, mit ihr gemeinsam Kinderlieder zu singen und begeistert mitzuklatschen. Ganz klar, dass das die „Junggebliebenen“ langweilt, ziehen sie doch teilweise Nirvanas „Smells like Teen Spirit“ vor. Musikalische Vorträge über das Alter und Krankheiten runden das Programm der Schwester Sigrid ab. Dieses „genießen“ Adi Hirschal als sehr alter Bewohner, der „Buona Sera, Signorina“ mit schwingendem Gehstock und grauer Perücke zum Besten gibt genauso wie Christian Deix oder Ben Rufin als weitere achtbare Ensemblemitglieder. Erhebt ein Darsteller die Stimme, singen die anderen kräftig mit und swingen und rocken sich durch den Altersheim-Alltag. Leider musste die Premiere aufgrund anhaltenden Schlechtwetters kurz vor Ende abgebrochen werden. Regie führt Adi Hirschal selbst, die musikalische Leitung liegt bei Thomas Mahn, der ebenfalls mitspielt. Choreografiert wurde das Ganze von Ferdinando Chefalo, der schon für die ORF-Show „Dancing Stars“ arbeitete. Sehr unterhaltsame, leichte Kost also heuer auf der Franzensburg.

-Martina Klinger-

Information:

Spielzeiten: Premiere 14. Juni, danach jeweils Samstag und Sonntag um 16:30 Uhr. Gespielt wird bis 16. August 2015.

Spielort: Hof der Franzensburg in Laxenburg, NÖ

Link: http://www.kultursommerlaxenburg.at

Reife Herren brauchen Bühne – „Schon wieder Sonntag“/Wiener Kammerspiele der Josefstadt

Kammerspiele der Josefstadt/Wien

Mögen doch andere in dieser Altersklasse in der Seniorenresidenz auf ihr Mittagmahl warten! Bella gerant alii…Kammerschauspieler Otto Schenk und Kammersänger Harald Serafin haben etwas ganz Anderes vor: Sie proben in den Kammerspielen für ihr Herzensprojekt „Schon wieder Sonntag“, eine Komödie mit reichlich tragischen Elementen von Bob Larbey. Fröhlich-honorig winken sie aus der Garderobe, so als ob sie sagen wollten: „Alles klar, alles im Griff!“

Sobald die Proben beginnen, finden sich die beiden tatsächlich (nur auf der Bühne!) im Heim wieder. Cooper (Schenk) ist geistig fit und körperlich beginnt es zu „tröpfeln“, Aylott (Serafin) hingegen hat mit dem Hirn immer wieder so seine Aussetzer, rennt aber noch wie ein Wiesel. Geflirtet wird mit der flotten Krankenschwester Wilson (Hilde Dalik). Coopers Tochter Julia (Alexandra Krismer) kommt jeden ersten Sonntag im Monat zum „Anstandsbesuch“ mit ihrem Mann (Oliver Huether). Liebevoll und auch grantig wird über das Alter parliert, die Einsamkeit, die durch Kontakte im Heim gemildert wird, die Zärtlichkeit. In der Josefstadt war das Stück erstmals 1995 zu sehen, mit dem heutigen Regisseur Helmuth Lohner in der Rolle des Cooper. Die Ausstattung übernimmt Amra Bergman. Man darf gespannt sein auf eine tiefgründige Alters-Beleuchtung in Wien.

-Martina Klinger-

Link: http://www.josefstadt.org

Probenbilder (Copyright Erich Reismann / Josefstadt)

Autumn Culture: Liebelei (Theater in der Josefstadt)

Theater in der Josefstadt. Wien

Die Eröffnungspremiere der Spielzeit 2014/15 ist im Wiener Traditionstheater ein Werk von Arthur Schnitzler, dem bekanntlich umtriebigen Schriftsteller. Die „Liebelei“, die bei Weitem nicht so harmlos abläuft, wie der Titel vermuten lassen möchte. Es ist eine sehr, sehr moderne Interpretation, sei vorausgeschickt.

Schnitzler wird sich schon was dabei gedacht haben, wenn sich Herren wegen einer Liebschaft duellieren sollen, nicht wahr?

Regie führt Alexandra Liedtke. Sie ist sich der Herausforderung bewusst, einen Stoff, der doch nicht mehr ganz so taufrisch ist, auf die Bühne zu bringen. Präzise versteht sie es, etwas im „Damals“ verortetes in die heutige Zeit zu setzen. Überhaupt sind ihre Befehle klar, und ihre Hand für das Wesentliche ersichtlich.

Alma Hasun als Christine spielt angemessen schüchtern. Die junge Schauspielerin beherrscht schon so Einiges. Aber nicht immer ist es so. „Aufdrehen“, das beherrscht sie auch. Der Bühnen-Signeur Otto Schenk als ihr Vater Hans (passenderweise im Stück Violinspieler am Josefstadt-Theater 🙂 führt sie auch durch schwierige Szenen und begleitet sie liebevoll. Florian Teichtmeister, auch ein junger Schauspieler der Josefstadt, wirkt in der Rolle des Fritz wie aus einer anderen Zeit. In Nebenrollen Matthias Franz Stein und Eva Mayer. Sie runden das Ensemble gelungen ab. Man muss schon sagen, dass Schenk sich zurücknehmen muss, um ja nur nicht zu dominant zu wirken.

Die Bühne von Raimund Voigt ist ein bisschen zu reduziert.

 

-Martina Klinger-

 

Link: http://www.josefstadt.org

 

Mariandl und ihr Votta – Wachaufestspiele Weißenkirchen

Wachaufestspiele Weißenkirchen                                                                                  24. August 2014

Die Wachaufestspiele Weißenkirchen feiern ihr 10-jähriges Jubiläum. Intendant Marcus Strahl hat für dieses Jahr den „Hofrat Geiger“, ein Kultstück, angesetzt. Umgesetzt ist dieses recht gut, es geht aber noch mehr. Zweifellos eine Komödie mit schauspielerischem Niveau, nur ein wenig schlecht gewählt.

Ein Erlebnis ist Waltraut Haas als Alte. Man habe sie lange schminken müssen, und ihr Furchen ins Gesicht zeichnen, um sie so aussehen zu lassen. So ziemlich das ganze Ensemble lässt sie bei kurzen Auftritten hinter sich. Aber es gibt nicht nur Positives zu berichten aus dem „Hofrat“. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das Stück trifft zwar den Nerv des Publikums, nicht aber jenen der Zeit. Irgendwie wirkt das Ganze überholt und wie eine Posse. So aufgebauscht wie das wird, ist es im Endeffekt auch wieder nicht.

Der pensionierte Hofrat muss also seinen Pensionsschock überwinden. Christian Futterknecht gelingt das zwar schon, er ist trotzdem über alle Maßen emotionalisiert, als er in der Wachau seine Tochter Mariandl (Verena Scheitz) trifft.

Es wird ein bisserl wie eine Nestroy-Posse behandelt, in der Regie von Marcus Strahl zieht sich der Handlungsstrang verständlich durch.

-Martina Klinger-

 

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Verena Scheitz, Christian Futterknecht, Waltraut Haas (c) Sam Madwar

SommerBühne (5): Zerbinetta in Haag – Theatersommer Haag

Theatersommer Haag.Haag/Niederösterreich                                                                 Juli 2014

Als neuer Intendant des Theatersommers Haag präsentiert Christoph Wagner-Trenkwitz in diesem Jahr „Zerbinettas Befreiung“ – eine historische Komödie. Es finden sich auch Elemente der Commedia dell´arte.

Eine interessante Besetzung lässt beim Sommerfestival aufhorchen. Florentin Groll spielt den alten Pantalone, der die großen „Zehn“ von Venedig anleitet. Zerbinetta und Brighella, die beiden Verliebten, werden von Michaela Schausberger und Boris Eder verkörpert.

Der Hausherr selbst ist in der Rolle des Quintus Sextilius Novotny zu sehen, was einiges an Neuerungen verspricht.

Wer sehen möchte, ob sich die Verliebten auch wirklich bekommen, muss nach Haag!

 

-MK-