Rezensionen MUSICAL

Hier können Sie Kritiken von Musicals finden

Bariton Thomas Weinhappel im Musical „Show Boat“ an der Bühne Baden

Der Sänger wendet sich für eine Neuinszenierung in Baden bei Wien dem Genre Musical zu. Er war bisher hauptsächlich der Oper und Operette zugetan. Kürzlich kehrte er an die Bühne Baden zurück und ist nun nach dem „Zigeunerbaron“ (Strauss) in „Show Boat“ (Kern/Hammerstein) zu sehen und zu hören.

Kritiker sind sich einig, dass Show Boat ein Meilenstein für die Musicalgeschichte ist. Amerikanisches Flair zieht in Baden bei Wien ein, wenn unter dem Dirigenten Franz Josef Breznik ein mächtiges Sounderlebnis hörbar wird.

Diese Produktion erregt nicht nur ihres Genres wegen Aufmerksamkeit, gilt die Bühne Baden doch als einer der großen „Operetten-Verfechter“ des Landes. An Bord geholt wurde bei „Show Boat“ auch der vielversprechende niederösterreichische Bariton Thomas Weinhappel, welcher sich inzwischen nicht nur in seiner Heimat einen Namen gemacht hat.

Der Sänger trägt den Titel Master of Arts und ist Absolvent von Meisterkursen unter anderem auch bei Gundula Janowitz. Sowohl in größeren Produktionen (wie den Opernfestspielen St. Margarethen als „Papageno“ in der Mozart´schen Zauberflöte) als auch in „intimen“ Konzerten überzeugt seine wohltönende Stimme. Der Kulturpavillon berichtete bereits etwa über ein Stuppacher Konzert https://klingerskulturpavillon.com/2018/04/08/arien-duette-operette-im-mozartschloss-stuppach-mit-thomas-weinhappel-und-lilla-galambos-am-07-april-2018/.

Weinhappel übernimmt in „Show Boat“ die Rolle des Gaylord Ravenal, und übt sich in Reflexionen des Theaterlebens. Das Musical behandelt nicht nur das Leben afroamerikanischer Arbeiterinnen, sondern setzt sich mit einer bestimmten Fokus-Gruppe auseinander: Der Besatzung des Theaterschiffes Cotton Blossom.

Er präsentiert sich als stimmlich und darstellerisch flexibler Künstler, der auch mit den Anforderungen des modernen Musicals bestens und feinfühlig umgeht. Diese Stimme sollte sich kein Intendant entgehen lassen.

Info

„Show Boat“ – Musical von Jerome Kern/Oscar Hammerstein II

an der Bühne Baden

musikalische Leitung: F.J. Breznik

Regie: M. Lakner

gespielt wird noch bis zum 30. März, die Vorstellungen haben unterschiedliche Beginnzeiten

Karten: http://www.buehnebaden.at

Psychisch deviante Mutter – „Next to Normal“ im Wiener Museumsquartier

Museumsquartier

Wien

Das Genre „Musical“ ist bekannt für heitere, ausgelassene und schwungvolle Momente. Das Werk „Next to Normal“ hat diese Eigenschaften eher nicht. Ungewöhnlich ernst bahnt sich die Handlung dieses Musicals an, gar nicht „handelsüblich“. Es dreht sich um ein weibliches Familienoberhaupt mit psychischen Problemen. Im Wiener Museumsquartier feierte „Next to Normal“ Premiere. In der Hauptrolle ein gefragter Musicalstar: Pia Douwes.

Das Musical wurde bereits mit dem Pulitzer-Preis und Tony-Awards ausgezeichnet. Die psychisch kranke Mutter Diana Goodman (sie ist bipolar) versucht mit allen Mitteln, das Idyll der Vorstadt aufrecht zu erhalten. Sie zerbricht am Tod ihres Sohnes als Kleinkind. Ihre Tochter sieht sich als allgegenwärtiger Ersatz für den Sohn. Pia Douwes spielt und singt die Frau in berührender Weise, auch die Familienmitglieder (Felix Martin, Sabrina Weckerlin, Dirk Johnston) können das Publikum erreichen. In einer schlichten, effektiven Ausstattung, wo mit großen Medizinpillen getanzt wird, kommen zahlreiche Botschaften des Musicals dennoch an. Es ist okay, Hilfe anzunehmen. Man wird im Leben nun einmal belogen. Oder: Die Familie hält in guten und schlechten Zeiten zusammen.

Bis zum 01. Mai ist das Stück noch in Wien zu sehen. Einige prominente Musical-Patrons besuchten die Premiere, wie Peter Weck oder Dagmar Koller.

 

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SommerBÜHNE 6: Nicht klebrig – STADTTHEATER BÜHNE BADEN mit HAIRSPRAY

Stadttheater Bühne Baden / NÖ                                                                                       31. Juli 2015

Ein flottes Musical erobert jenes Theater, dessen Haupt-Einnahmequelle die Operetten sind. Auch in Baden dachte man sich wohl, ein wenig amerikanisches Flair kann doch nicht schaden! Und so begibt man sich unter Patronanz von Kammersänger Sebastian Reinthaller nach Baltimore, und reist zurück in das Jahr 1962. Das Musical vom Broadway ist nach Köln, St. Gallen und München nun auch in Baden bei Wien auf Deutsch in einer „rockigen“ Version zu hören. Der aus ORF-Shows bekannte Choreograf Ferdinando Chefalo zeichnete hier für die schwungvolle, gleichzeitig aber auch sensible Regie verantwortlich.

Es dreht sich hier alles um den etwas pummeligen Teenager Tracy Turnblad, eindrucksvoll und ausdrucksstark verkörpert von der jungen deutschen Sängerin Marja Hennicke. Da wird Gas gegeben, aufgedreht und abge“rockt“, was die Bühne hergibt. Tracy will um jeden Preis berühmt werden und in einer bekannten Fernsehshow tanzen. Ihre Eltern sind geteilter Meinung darüber: Ihre Mutter Edna (mütterlich und fürsorglich und zugleich eine wunderbare Komik zeigend: René Rumpold) und ihr Vater Wilbur (ermutigend und couragiert: Gernot Kranner). Der Herr Papa möchte die Tochter auf die Bühne bringen, während die Mutter zweifelt, ob sie denn nicht doch zu dicklich sei.

Als Held und Namensgeber der Fernsehshow: Corny Collins tritt Reinwald Kranner repräsentativ auf. Die größte Konkurrentin Tracys, Amber von Tussle wird sehr authentisch gespielt und gesungen von Andreja Zidaric. Als Tracys mehr oder weniger große Liebe Link Larkin ist Stefan Bleiberschnig zu hören, ein wenig blass bleibt er in Tracys Schatten schon.

Basierend auf dem New Line Cinema Film in der Regie von John Waters, ist eine recht gute Umsetzung gelungen. Michael Zehetner dirigiert ordentlich und in flottem Tempo.

-Martina Klinger-

Information:

Spielzeit: 31. Juli bis 5. September,

Stadttheater Bühne Baden

Link:

http://www.buehnebaden.at

Monty Pythons Spamalot /Bamberg

Spamalot

E.T.A. Hoffmann Theater Bamberg                                                                          März 2015

Ein Musical zum Film „Die Ritter der Kokosnuss“. Es wurde schon am New Yorker Broadway ein Erfolg. Also auch ein Garant für Lacher und beste Unterhaltung. Was am Broadway läuft, läuft überall. Oder wie sagte Frank: „If I can make it there, I´ll make it anywhere.“ Und was ist mit Monty Python?

Die britische Komikertruppe rund um John Cleese, Eric Idle und Co. Wer kennt sie nicht. Das „total verrückte“ Musical kommt nun auch nach Bamberg. Spamalot ist eine Verbalhornung von Camelot, in Anlehnung an den „Spam-Sketch“ von Monty Python.

Vier Ritter müssen mit König Arthur den Gral suchen und gemeinsam mit der „Fee vom See“ erleben sie Abenteuer, bis es zum ironisch-lustigen Happy End kommt. Deftig-ironisch-schwarzer Witz ist es auch, der das Stück, genauso wie den Kinofilm, dominiert. Hübsche Lieder, die seicht, aber gut klingen, komplettieren das Gesamtbild: Der „Pitsch-Patsch-Song“ oder das Lied von König Arthur, genauso wie „Das Lied, das jeder liebt!“

Hier ein offizieller Hinweis des Theaters:

„Auch für Python-Fans, die den Film schon in- und auswendig kennen, gibt es Neues, denn die Geschichte hat sich weiter entwickelt – vor allem, was Parodien auf das Broadway-Theater angeht. Auch die Musik ist neuer und heutiger – und wartet mit so manchem Ohrwurm auf. Trotzdem fehlen natürlich all die deftig-lustigen Zutaten nicht, die den Film zum Kultklassiker machten, also freuen Sie sich auf den furchtlosen Schwarzen Ritter, die Heilige Handgranate von Antiochia, die Ritter von Ni, diverse Franzosen sowie ein Killerkaninchen.

Vergessen Sie Ihre Kokosnüsse nicht… und „always look on the bright side of life!“

 

The Addams Family (Uwe Gomez Addams Kröger) & Co. in Bremen

Bremen                                                                                               Dezember 2014

Warum nicht auch in Wien? Das denken sich wohl viele, wenn man hört: Das Grusel-Musical, „Die Addams Family“, spukt in Bremen herum. Äußerst unterhaltsam und der Fernsehserie in einigen Punkten nicht unähnlich. Sehr gruselig, authentisch und mit pikanten Details.

Bremen hat derzeit, wovon Wien träumt. Ein schräges, schrilles, schönes Musical. Im Zentrum steht die Addams-Familie, eine liebenswerte, aber doch komische Sippe. Komisch, warum? Weil sie, nun ja, aus gruseligen Mitgliedern besteht. Da sind zum Einen Gomez und Morticia Addams, ein leidenschaftliches Ehepaar. Ihr Zuhause ist der New Yorker Central Park. Ihr Haus: eine verfallene, gruselige Villa. Sie haben entzückend schräge Töchter, eine davon ist Wednesday. Diese verliebt sich in einen „Normalo“ namens Lucas Beineke. Das nehmen die Eltern nicht so einfach hin. Zum Anderen gibt es noch morbidere Mitglieder der Familie, Onkel Fester und Pugsley zum Beispiel. Bei einem Essen soll sich die Familien Addams und Beineke näher kommen. Dass das kein gewöhnlicher Schmaus sein kann, ist seit dem Titel klar. So werden allerlei Dinge aus dem Gruselkabinett aufgetischt. Einem Happy End stehen noch allfällige Diskussionen um Sitten, Gebräuche und die „Normalität“ im Wege. Die Story mag vielleicht nicht von Anfang an überzeugen. Was soll da schon Kerniges, Aufregendes dran sein? Ein bisschen Horror, ein paar eklige Würmer auf dem Teller. Wednesday und Lucas´ Familie soll zusammenfinden. Schwer? Der überzeugte Musical-Fan wird sagen: Nicht im Geringsten. Einspruch: Das Publikum nicht einfach in billiger Geisterbahn-Atmosphäre verharren zu lassen, sondern in die wahrhafte Gedankenwelt der morbiden, charmanten und auch liebenswerten Addams-Familie einzuführen, ist Kunst.

Zur Besetzung: Das Familienoberhaupt der Addams Family, Gomez, gibt Uwe Kröger. Ein Herr spanischer Abstammung, der seine Frau und seine Töchter über alles liebt. Er ist Jurist und trägt Oberlippenbart, ist aber sehr schräg unterwegs. Kröger „tigert“ sich in die Rolle hinein. Man ist ja akribische Rollenarbeit von ihm gewöhnt, dieser Herr scheint ihm ebenso Konzentration abzuverlangen wie Spaß zu bereiten. Vor allem der Humor darf im Stück nicht zu kurz kommen, wenn dieser auch beizeiten rabenschwarz ist. Er hat an diesem Abend auch den Haupt-Job, ist er doch in nahezu jeder Szene zu sehen und zu hören. Seine Frau Morticia, verkörpert von Edda Petri, ist immer verführerisch und trotzdem auch eiskalt zu sehen. Die Tochter Wednesday wird gesungen und gespielt von Lisa Antoni, welche mit großer Hingabe Bogen schiesst oder Hinrichtungen mit der Guillotine propagiert. Den anderen Menschen, die ihre Gedanken nicht teilen, wollen die Addams nie etwas vorschreiben, trotzdem werden sie von manchen als seltsam oder gefährlich erachtet. Das Oberhaupt der „anderen“, „normalen“ Familie heisst Mel Beineke und wird gespielt von Ethan Freeman. In weiteren Rollen: Noah Walczuch als netter, etwas trotteliger Pugsley und Enrico De Pieri als gruseliger Onkel Fester. Gerhard Harzel als Butler Lurch und Anna Welte als Granny komplettieren die Familie.

Die musikalische Leitung liegt bei Tobias Deutschmann. Schmissige Schlager und Ohrwürmer (auch bekannt aus der Serie) werden in hektischem Tempo auf die Bühne gebracht. Andreas Gergen führt mit einer ruhigen, liebevollen Hand durchdacht Regie.

 

-Martina Klinger-

 

 

Link:

http://www.theaddamsfamilymusical.de

 

SommerBühne (6): PREMIERENBERICHT – Tevje und seine Töchter – Anatevka bei den Seefestspielen Mörbisch

Seefestspiele Mörbisch.Burgenland                                                                                       10. Juli 2014

KK exklusiv von der Premiere

Mörbisch am See verwandelt sich heuer – zumindest auf der Seebühne – in ein „Shtetl“, und zwar das fiktive „Anatevka“.  Der englische Originaltitel des Werkes ist „Fiddler on the Roof“. Intendantin Dagmar Schellenberger versucht sich an einem Musical.  Freilich soll es die an Operette gewöhnten Besucher auch erfreuen. Sie selbst steht bereits kostümiert auf der Bühne, als sie das Publikum begrüßt. Nur das Anatevka-typische Kopftuch, das fehlt noch. Es folgt später. Die Begrüßung direkt von der Bühne aus ist eine Neuerung.

Die Gastronomie am Festspielgelände ist nun im Trockenen, falls es doch mal regnen sollte. Was es an diesem Premierenabend in Maßen, aber doch tat. Manche Bedenken bezüglich des Wetters (es regnete vor der Premiere bereits leicht) war die Intendantin bemüht, zu zerstreuen. Es solle ein „trockener“ Abend werden. Natürlich nicht darstellerisch, aber eben wettertechnisch.

Zum Stück:

Zu Anfang werden die Bewohner von „Anatevka“ vorgestellt, mit all ihren Tugenden. Besonders die Tradition und die Söhne und Töchter werden hervorgehoben. Man ist erst einmal gefesselt und sieht die „Töchter“ und „Söhne“, wie sie mit den Sohlen im Takt auf und ab wippen. Tevje ist hier quasi der „Erzähler“ in dieser Anfangssequenz, die so gar nicht operettenhaft daherkommt.

Gerhard Ernst ist – so kann man sagen – nahezu in der Rolle seines Lebens. Der Milchmann Tevje scheint ihm wie auf den Leib geschneidert. Besonders sprachlich kann er die Feinheiten dieser Figur ausspielen. Stimmlich ist er (zumindest am Premierenabend) im guten Mittelfeld. Dagmar Schellenberger liefert als Golde eine tolle Performance zwischen mütterlicher Fürsorge und erzieherischen Grob-Maßnahmen ab.

Stephan Paryla-Raky als Fleischer Lazar Wolf spielt annehmbar und glaubwürdig. Maria Malle als Heiratsvermittlerin Jente ist auch eine Erscheinung für sich. Die drei ältesten Töchter Zeitel, Hodel und Chava werden allesamt harmonisch in die immer wieder intimen, als Kammerspiel inszenierten Familienszenen integriert. Der Student Perchik wird verkörpert vom jungen Georg Leskovich, der sich sehr hineinsteigert.

Für die Inszenierung zeichnet das zweite Mal in Mörbisch nach 2008 („Im weißen Rössl“) Operettenspezialist Karl Absenger verantwortlich. Er hat eine sensible Hand für das Stück. Manche Szenen wirken dennoch wie aus einer anderen Welt und eigentlich gegeneinander austauschbar. Der Ablauf kann als harmonisch angesehen werden. Besonders Tevjes Monolog-Szenen, in denen er über das Hochzeits-Glück seiner Töchter sinniert, wirken. Das Orchester unter Dirigent David Levi, wenn auch nicht mehr sichtbar vor der Bühne, gibt sein Bestes. Das Ballett ist in guter Form. Man sieht fast nur Herren tanzen.

Es ist ein Stück, wie man es sich in Mörbisch eigentlich nicht erwartet. Sommerstimmung sucht man sowohl auf der Bühne, als auch am Himmel vergeblich. Es stimmt sehr nachdenklich und neben dem Ohrwurm „Wenn ich einmal reich wär´“ von Tevje rührt das Duett „Ist es Liebe?“ von Tevje und Golde sehr. Man geht um Erfahrungen reicher hinaus. Übrigens herrschte eher Winter-als Sommerwetter. Frostträchtige Temperaturen und Wind machten es den Darstellern und dem Publikum nicht so gemütlich.

-MK-

 

 

Edelweiß, jeder weiß, the Sound is fine

Salzburger Landestheater.Salzburg                                                                  März 2014

„The Hills are alive with the…SOUND OF MUSIC“. Das weiß man auch in Salzburg, der Stadt, in die das Musical wieder „heimgekehrt“ ist. Dank einem sehr guten Ensemble und einer mitreißenden Inszenierung der beiden Regisseure Andreas Gergen und Christian Struppeck feiert der „Sound“ einen wahren Triumph. 1959 schrieb das amerikanische Autorenteam Richard Rodgers (Musik) und Oscar Hammerstein (Liedtexte) für den New Yorker Broadway ein Stück Musikgeschichte. Mit dem Hit „The Sound of Music“. Die Songs wurden zu Welthits, die überall gesummt werden: „Edelweiß“ oder „Do-re-mi“ sind sehr beliebte Stücke aus dem Meisterwerk.

Die schwierige politische Situation kommt hier in dieser Neuinszenierung nicht zu kurz, muss doch die Protagonistenfamilie 1936 aus Österreich fliehen. Doch es wird auch viel Wert auf die Geschichte im Kern gelegt.

Die Protagonistenrollen sind auch fein besetzt: Uwe Kröger, Musicalroutinier, gibt den charmanten, aber mit der Erziehung seiner Kinder völlig überforderten Baron Georg von Trapp. Es ist einfach toll, wie er diesen Menschen darstellt, und wenn er zu den Kindern sagt: „Ihr werdet eine neue Mutter haben.“, klingt das fast wie eine Prophezeiung. Als Maria Rainer besticht die Sängerin Wietske van Tongeren. Sehr wichtig und sehr oft im Mittelpunkt des Geschehens sind Trapps Kinder, gewissermaßen vom Kleinsten bis zur verliebten Teenagerin liebevoll als Figuren nachgezeichnet. Sehr eindrucksvolles Schauspiel komplettiert den Eindruck.

Getragen wird diese Produktion auch noch von der eingängigen Musik, die an manchen Passagen sehr lyrisch, malerisch und dann wieder flott daherkommt. Mit der nötigen Sensibilität. Aber auch mit der nötigen erzieherischen Härte wird hier im Stück gearbeitet, manchmal auch kokettiert.

Empfehlung!

-Martina Klinger-

Besuch in Wien von Uwe und Pia

Ronacher. Wien                                                                                                                               19.02.14

Das Publikum hatte im Vorhinein schon eine gewisse Erwartungshaltung. Zu Recht: Die Spielstätte, bekannt für Musicals. Die beiden Hauptdarsteller, die sich quasi perfekt ergänzen. Das Stück, adaptiert nach einer Geschichte von Friedrich Dürrenmatt. Der Besuch der alten Dame hat Premiere. Zur Musik von Michael Reed können die zwei (UWE & PIA) ihre Stimmen erheben, durchaus rockige und dann wieder sanfte Töne erklingen. Andreas Gergen als Regisseur punktet mit Exzentrik, aber Sensibilität. Besonders zu erwähnen ist die Choreografie von Simon Eichenberger, der die Tänzer elegante Beinwürfe durchführen lässt, im Wechsel mit flotten, kraftvollen Bewegungen.

Uwe Kröger und Pia Douwes empfinden diesen Premierenabend als Geschenk. Sie können wieder zusammen auf der Bühne stehen. Wie damals in Elisabeth, wo aber Uwe den Tod gab und Pia holte. Diesmal ist es umgekehrt.

Claire Zachanassian (Douwes) kehrt in ihre Heimatstadt Güllen zurück. Die Bewohner sind voller Hoffnung, wieder besser leben zu können, da sie „die reichste Frau der Welt“ sei. Sie will aber nur finanzielle Unterstützung leisten, wenn ihr Ex-Geliebter, Alfred Ill (Kröger) dafür sein Leben lassen muss. Denn der Schmerz, der ihr zugefügt wurde, soll vergolten werden. Wild vor Geldgier tötet man schließlich Alfred, obwohl Claire das ganze Drama doch nicht heraufbeschwören wollte.

Die beiden Darsteller genießen den Abend, geben sich die Klinke in die Hand. Gesanglich sind sie fit, darstellerisch auch. Dramatik beherrscht die Bühne, etwa wenn Claire und Alfred sich wieder etwas annähern, denn die Liebe, die vergeht ja nicht. Das beweisen Kröger und Douwes auch im sensitiven Duett „Liebe endet nie“. Und wenn Kröger als Alfred anstimmt: „Du warst mein Alles, warst mein Licht“, jagen so manchem Besucher Schauer über den Rücken. Wohlige Schauer, sei dazugesagt.

Prädikat: Sehenswert. Standing Ovations!

-Martina Klinger-

Links:

http://www.musicalvienna.at

 

 

Man spiele und siege

Volksoper.Wien                                                                                       Jänner 2014

An der Wiener Volksoper gab es die Wiederaufnahme des Erfolgs-Musicals „Guys and Dolls“ zu sehen. Die Inszenierung von Heinz Marecek wurde sanft aufgefrischt und erstrahlt nun in neuem Glanz. (Bühnenbild: Sam Madwar) Die Gesangstexte von Frank Loesser sind freilich nicht ganz neu, aber wen kümmert das?

Da gibt es das „kleine“ New York, wo sich die Glücksspieler herumtreiben, wo man allerorten nach Gewinn strebt. Die Figuren, die aus diesem Milieu stammen, sind sauber gezeichnet. Mit ihren Sehnsüchten, Ängsten und ihrer Risikobereitschaft. Dunkle Machenschaften, die sich um das Glückspiel drehen, werden hier unverzerrt dargestellt. Doch mit Gesang geht alles leichter.

Zu nennen ist der motivierte Hausherr Robert Meyer als Nathan Detroit, der sich die Pointen des Abends souverän sichert. Sigrid Hauser als Miss Adelaide pocht auf ihr Recht, ihn nach vierzehn Jahren der Verlobung endlich heiraten zu können. Die Rolle wird ein wenig zu nervös angelegt. Doch es wäre nicht dieser Ort, diese Szenerie, würde Nathan nicht wieder einmal eine Ausrede finden. Mit deftigem Charme spielt Axel Herrig seinen Sky Masterson und legt damit die Rolle gar nicht mal so übel an. In einer netten Nebenrolle kann man auch Christoph Wagner-Trenkwitz sehen. Sandor Nemeth und Julia Koci als Sarah spielen ihr Talent aus.

Das Orchester unter Joseph R. Olefirowicz spielt brav und bravourös Loessers Töne.

Musical ist an der Volksoper- einmal mehr- ein Erfolg und fest verankert.

-Martina Klinger-

Links:

http://www.volksoper.at